Cynx Cynical World
Beiträge getaggt mit Urheberrecht
Das Beispiel Helene Hegemann
09. Feb
Es rumpelt gewaltig im Blätterwald. Eine junge Frau schreibt ein erfolgreiches Buch und dann stellt sich heraus, dass sie einige Passagen von jemand anderen übernommen hat. Diesen nicht zu fragen ist sicherlich etwas unhöflich, aber es ist ein sehr schönes Beispiel wie die “echten” Digital Natives – Menschen, die nur mit digitaler Kommunikation groß geworden sind – mit Inhalten umgehen. Alles ist eine Kopie. Es ist das ureigenste Wesen digitaler Medien zu kopieren (siehe auch “Falscher Planet, Falsches Jahrhundert“).
Sind Inhalte irgendwo zu finden, werden aufgenommen, eingebaut, verändert, weitergegeben, in einen anderen Kontext gesetzt. Es ist eine Normalität des Lebens und weckt einiges, aber sicherlich kein Unrechtsbewusstsein.
Darüber kann man meckern, schmollen oder sonst wie seinen Blutdruck in die Höhe treiben, ändern wird sich daran nichts. Die Welt ist so und jede kommende Generation wird genau so aufwachsen. Es sei denn wir verzichten auf digitale Medien. Ist der Aufwand zu groß gibt es auch keine Kopie mehr, aber eines ist dann auch sicher: Die Welt wird unendlich ärmer werden, denn “Kopien” schaffen Kunst! Ich zitiere mich selber, wie es ohne Kopien und Abschreiben aussehen würde.
Murnau hätten wir nie kennen gelernt, Bernsteins “West Side Story” wäre nie entstanden, da es nur eine “billige” Romeo und Julia Kopie ist. Niemand, der traurig “Maria” in den Straßen singt und “nichts ist besser in Amerika”. Wir hätten nie das bezaubernde Lächeln von Julia Roberts in Pretty Woman kennen gelernt, denn My Fair Lady würde irgendwo in den Archiven alles blockieren. Keneth Branagh wäre wahrscheinlich nicht mit lauten “Cry Harry, England and St George!” in die Schlacht geritten. Tarantino würde sich wohl schwer tun seine Filme mit Zitaten zu füllen.
Symphonie der Zerstörung
Meiner Meinung nach handelt es ich bei den ganzen Aufregern um neidische Beisitzer, die den Nebeneffekt völlig verkennen. Auch der original Autor ist nun in der Presse, was er ohne den Erfolg von Helene Hegemann wohl nie geschafft hätte. Wahrscheinlich können wir bald zwei gute Bücher lesen, was noch erfreulicher ist. Leider wird keines der beiden Bücher von den Neidern geschrieben worden, aber die können sich in ihrem Kämmerlein weiter aufregen. Die Welt wird sich dennoch weiter drehen. Falscher Planet, falsches Jahrhundert.
Kopieren ist bei mir übrigens ausdrücklich gewünscht! Alles was ich so mache steht prinzipiell unter CC-Lizenz. An diesen Urheber-Dreck glaube ich nicht, sonst hätten wir immer noch kein Rad erfunden.
Symphonie der Zerstörung
14. Okt
In Frankfurt ist Buchmesse – nicht wirklich eine Nachricht. Einen Tag vorher, war ebenfalls in Frankfurt die “Tools of Change” eine Konferenz zu neuen Medien und Büchern. Ein normaler Mensch würde sich jetzt denken: “Hey, das passt ja gut zusammen. Da informieren sich die Verlage und Autoren, was in Zukunft noch wichtiger sein wird.”
Nur leben wir leider nicht in einer normalen Welt… Auf der Tools of Change predigte man wichtige Erkenntnisse und niemand hörte zu. Unter den Referenten fast nur Amerikaner von Verlagen, die die Zeichen der Zeit für sich erkannt haben. Was “unsere” Verlage so denken steht im heutigen Handelsblatt unter dem Titel “Symphonie des Grauens“. Der Aufmacher des Artikels ist auch auch direkt, dass Murnaus Meisterwerk “Nosferatu” leider nicht komplett vernichtet wurde. War ja nur ne Kopie1 und kein Beitrag zur Kultur.
Der Artikel ist voller Sätze, die mir das Grausen kommen lassen:
“Geistiges Eigentum darf kein Verfallsdatum haben!”
Imperativ, sehr schön. Stellen wir uns mal vor, das hätte es nicht und wir leben in der Welt des Verfassers Hans-Peter Siebenhaar:
Murnau hätten wir nie kennen gelernt, Bernsteins “West Side Story” wäre nie entstanden, da es nur eine “billige” Romeo und Julia Kopie ist. Niemand, der traurig “Maria” in den Straßen singt und “nichts ist besser in Amerika”. Wir hätten nie das bezaubernde Lächeln von Julia Roberts in Pretty Woman kennen gelernt, denn My Fair Lady würde irgendwo in den Archiven alles blockieren. Keneth Branagh wäre wahrscheinlich nicht mit lauten “Cry Harry, England and St George!” in die Schlacht geritten. Tarantino würde sich wohl schwer tun seine Filme mit Zitaten zu füllen.
So wird Kultur gesichert, gewöhnt Euch schon mal dran.
Wahrlich eine schöne Welt für Kulturschaffende…, aber Moment…. um die geht es hier ja gar nicht. Es ist wieder mal nicht das Urheberrecht, sondern das Recht – besser das Geld – der Verleger und des Vetriebs gemeint, wie dieses Recht durchgesetzt werden soll wird auch beim Namen genannt:
“… wenn die Politik mit urheberrechtlichen und ordnungspolitischen Sicherungen die Googlerisierung des Buchs verhindert.”
Die Strafen nannte Herr Siebenhaar schon in seiner Einleitung:
“Von einem solch drakonischen Urheberrecht [Die endgültige Vernichtung des Nosferatu-Films] kann die Buchbranche 84 Jahre später nur träumen.”
Da brennen sie wohl bald wieder die Scheiterhaufen.
Ach ja, die Tools of Change: Es wurde wieder einmal mit neuen Zahlen belegt, dass die schwarz-kopierten Bücher im Netz den Verkauf der “echten” Bücher massiv ankurbeln. Nicht umsonst hat Paolo Coelho seine eigenen Bücher selber auf den “Schwarzmarkt” gebracht und damit völlig neue Käuferschichten erschlossen. Aber wer will schon seinem Geschäft nach gehen, dem Bücherverkauf, wenn man mit Klagen mehr Geld bekommt?
1) Murnau hatte sich übrigens mehrfach um die Rechte für Dracula bemüht, aber der Rechteinhaber hatte immer abgelehnt, weil er zu wenig Geld bekommen hat. Geklagt hat nicht der Urheber, sondern eine der vielen “Schutzgesellschaften”.
… und bei Thalia werde ich nichts kaufen.
Das Urheberrecht aus der Sicht einer Autorin
01. Jul
Anne Alter schreibt über ihre Gedanken zum Urheberrecht aus der Sicht einer Autorin und wird von den Musikpiraten dazu befragt.
Schön zu sehen, dass ein Umdenken auch bei den Kreativen stattfindet, sie alte Strukturen hinterfragen und offen für Neues sind.
Mela kommentiert die andere Seite des Diskurses, in dem sie sich den Artikel von Hubert Burda über den Online-Journalismus näher annimmt. Nicht nur in der Politik auch in den Chefetagen sitzen Internet-Ausdrucker, die das Medium Internet nicht mal annähernd verstanden haben.
Update: Medial Digital nimmt den Burda Artikel auch auseinander und gibt ihm eine einfache Lösung: Dann boykottiert doch Google!
Alle Links sind extrem lesenswert.


