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Richard Morgan – Das Unsterblichkeitsprogramm
06. Jan
Richard Morgan – Das Unsterblichkeitsprogramm
Seit langem mal wieder ein Cyberpunk-Roman auf meinem Lesetisch… Oder eigentlich MP3 Player, da ich den Roman in der ungekürzten Version von Audible gehört habe.
Takeshi Kovacs – konditionierter Söldner – wird aus dem Gefängnis freigekauft. “Gefängnis” in der Zunkuft von Richard Morgan bedeutet: Eine Einlagerung des Geistes als Back-Up in einem Computer für Jahrzehnte. Als Gegenleistung soll er für seinen Befreier -einen Multi-Millionär – einen Auftrag erledigen. Kovacs soll den Mord an ihm, dem besagten Multi-Millionär, aufklären. Für die Polizei ist der Fall klar, es war Selbstmord. Nur macht ein Selbstmord Sinn, wenn das Bewusstsein des Millionärs regelmäßig gesichert wird und er Klone zur sofortigen Wiederbelebung bereithält? Kovacs macht sich auf die Suche nach Motiven und Gründen und gerät dabei in die Abgründe menschlicher Triebe.
Ein Wort der Warnung vorweg: Die Welt von Takeshi Kovacs ist hart, voller Drogen, Sex und Gewalt. Zwar nicht so hart, wie in vielen Kritiken zu lesen ist, aber wem diese Themen prinzipiell Bauchschmerzen machen, der sollte Abstand von dem Roman nehmen. Morgan lässt sich Zeit seine Welt aufzubauen, was ihr eine ungewöhnliche Tiefe und Greifbarkeit gibt, für technisch Uninteressierte aber auch vielleicht Längen beinhaltet. Wen diese beiden Punkte nicht abstoßen, der bekommt einen spannenden SF-Krimi-Noir eines Philip Marlowe der Zunkunft mit genialen Ideen. Was Morgan aus dem alten Thema “Speicherung des Bewusstseins” macht ist spannend und innovativ, die Story solide und fesselnd. Von dieser Sorte Cyberpunk wünsche ich mir mehr.
Sol Stein – Stein on Writing
06. Jan
Sol Stein – Stein on Writing
Der Markt für Bücher über das Schreiben ist riesig: Von Workshops über Diskussionsforen bis hin zu unzähligen Büchern. Kaum hat jemand ein Buch veröffentlicht (egal ob gut/schlecht, erfolgreich/Flop), fühlt er sich auch berufen seine Erkenntnisse der Menschheit mitzuteilen. Die wenigsten davon sind aber wirklich brauchbar, da sie sich meist in Selbstbeweihräucherung ergehen und wenig Handwerkszeug erklären. Genau darum geht es aber dem Schreiber in Spe: Das Handwerk des Schreibens zu erlernen und/oder praktische Tipps zu bekommen. Damit sollte eigentlich weniger der Autor zu Wort kommen, als ein TÜV-Prüfer für Bücher: Der Lektor.
In diesem Fachgebiet ist Sol Stein ein alter Hase, Jahrzehnte als Lektor für große Autoren tätig, selber Schriftsteller, Bühnenautor, Dozent und Programmierer, weiß er, wie das Geschäft und Literatur funktioniert. Diese Erfahrung gibt er in Stein on Writing mit vielen Beispielen an den Leser weiter. Es wird nicht theoretisiert, sondern aufgezeigt, wie man einen Roman besser machen kann, wo Fallen liegen und wie man mit ein paar Handgriffen einen lesbaren Absatz schreibt. Jedes Kapitel beschäftigt sich mit einem grundlegenden Thema des Schreibens und lässt sich auch einzeln immer wieder nachlesen. Trotz aller “Kunst”, ist sich Stein bewusst, dass es auch um einen Markt geht und geht hin und wieder auf Verkaufsaspekte ein.
Selbst wenn man sich selber nicht zum Autor berufen fühlt macht das Buch Spaß, da man eine Menge darüber lernt wie Literatur funktioniert und warum einem ein bestimmtes Buch so “merkwürdig geschrieben” vorkam.
Ein sehr empfehlenswertes Buch, nicht nur für Schreiber in Spe, sondern auch für Literatur-Interessierte. In Deutsch ist das Buch bei Zweitausendeins erschienen.


