Cynx Cynical World
Beiträge getaggt mit Rant
In der Kürze liegt die…?
07. Mrz
Mit einem kleinen Happen, die Aufmerksamkeit des Kunden zu bekommen ist eine altgediente Methode der Werbung. Ein kleiner Teaser hier, ein Trailer da … und so hofft man die Besucher zum Beispiel ins Kino bekommen. Man könnte meinen, dieses Prinzip ist auch auf andere Medien übertragbar. So dachten sich das wohl die Macher des Blogs Basic Thinking: Sie werden den RSS-Feeds ihres Blogs auf einen kurzen Teaser verkürzen. So sollen die Besucher auf ihre eigentliche Webseite gebracht werden, um dort die Werbung zu sehen, denn Basic Thinking will Geld verdienen.
Dieser Wunsch ist verständlich und es wäre sehr wünschenswert, wenn mehr Blogs von ihrem Geschäft auch Leben könnten. Der Weg ist aber selten dämlich, um es mal ganz direkt zu sagen. Bei einem verkürzten Feed mache ich alles, u.a. kündigen, aber sicherlich nicht brav auf die Seite klicken. Da muss mir ein bestimmter Artikel schon besonders empfohlen werden (z.Bsp. über Twitter), sonst hat mein Auge keinen Grund sich länger in der Überschrift aufzuhalten.
Ich bin mir eigentlich sicher, sie verlieren eher Leser, als dass sie Page-Impressions gewinnen.
Man kommt sich schon vor wie eine Gebetsmühle, aber ich wiederhole es noch mal:
Verkauft einen Mehrwert!
Wenn ihr wollt, dass ich auf Seite komme, dann gebt mir einen Grund dahin zu gehen. Der Grund ist sicherlich nicht mir den Text vorzuenthalten, der mich vielleicht interessiert. So wie eine CD eher gekauft wird, wenn sie ein gutes Booklet hat oder eine DVD mit guten Extras eher über den Ladentisch geht, gilt es auch für ein Blog einen Mehrwert aufzubauen. Schafft eine Community, oder sonst etwas. Damit bindet man Leser und hat Kunden für die Werbung.
angeregt von Jens
Es arbeitet ja niemand mehr
12. Feb
Es gab eine Zeit, da fand ich Guido (Westerwelle) ja ganz lustig. Er kann zwar nicht reden und Charisma ist auch etwas anderes, aber gerade dieser Mangel machte ihn unterhaltsam anders als die anderen Politiker. Ich weiß nicht, was für ein Personality-Coach ihn gerade berät, aber wer immer es auch ist, der muss gerade erst aus einem Gulag zurückgekehrt sein. Denn anders kann ich mir seine Wortwahl nicht erklären. Den Hartz IV Empfängern tritt er mit seinen Aussagen zum Urteil in die Eier, dass es nur so knallt. Aber auch ansonsten legt er gut nach:
Westerwelle hatte nach dem Richterspruch unter anderem beklagt, es scheine in Deutschland “nur noch Bezieher von Steuergeld” zu geben, aber “niemanden, der das alles erarbeitet”.
Doch lieber Guido, ich zum Beispiel und ich finanziere nicht schlecht, wenn ich meine Steuerzahlungen anschaue. Dabei gebe ich einem Hartz IV Empfänger deutlich lieber mein Geld als dir, denn dein Gehalt sollte doch auch so reichen oder? Schaue ich mir deine Entgeltliche Tätigkeiten neben dem Mandat an – alles Stufe 3 – bin ich beeindruckt. Du bekommst für einen Vortrag mehr als 7000 EUR?! Vorträge, die du sicherlich nicht mal selber geschrieben hast, denn laut eigener Aussage arbeitest du 16h am Tag. Wer hier der Schmarotzer ist..?
Dazu kommen dann noch deine Bezüge als Abgeordneter und Minister, wenn du dir so viele Gedanken um den Steuerzahler machst, dann leg doch selber mal was drauf.
Das Beispiel Helene Hegemann
09. Feb
Es rumpelt gewaltig im Blätterwald. Eine junge Frau schreibt ein erfolgreiches Buch und dann stellt sich heraus, dass sie einige Passagen von jemand anderen übernommen hat. Diesen nicht zu fragen ist sicherlich etwas unhöflich, aber es ist ein sehr schönes Beispiel wie die “echten” Digital Natives – Menschen, die nur mit digitaler Kommunikation groß geworden sind – mit Inhalten umgehen. Alles ist eine Kopie. Es ist das ureigenste Wesen digitaler Medien zu kopieren (siehe auch “Falscher Planet, Falsches Jahrhundert“).
Sind Inhalte irgendwo zu finden, werden aufgenommen, eingebaut, verändert, weitergegeben, in einen anderen Kontext gesetzt. Es ist eine Normalität des Lebens und weckt einiges, aber sicherlich kein Unrechtsbewusstsein.
Darüber kann man meckern, schmollen oder sonst wie seinen Blutdruck in die Höhe treiben, ändern wird sich daran nichts. Die Welt ist so und jede kommende Generation wird genau so aufwachsen. Es sei denn wir verzichten auf digitale Medien. Ist der Aufwand zu groß gibt es auch keine Kopie mehr, aber eines ist dann auch sicher: Die Welt wird unendlich ärmer werden, denn “Kopien” schaffen Kunst! Ich zitiere mich selber, wie es ohne Kopien und Abschreiben aussehen würde.
Murnau hätten wir nie kennen gelernt, Bernsteins “West Side Story” wäre nie entstanden, da es nur eine “billige” Romeo und Julia Kopie ist. Niemand, der traurig “Maria” in den Straßen singt und “nichts ist besser in Amerika”. Wir hätten nie das bezaubernde Lächeln von Julia Roberts in Pretty Woman kennen gelernt, denn My Fair Lady würde irgendwo in den Archiven alles blockieren. Keneth Branagh wäre wahrscheinlich nicht mit lauten “Cry Harry, England and St George!” in die Schlacht geritten. Tarantino würde sich wohl schwer tun seine Filme mit Zitaten zu füllen.
Symphonie der Zerstörung
Meiner Meinung nach handelt es ich bei den ganzen Aufregern um neidische Beisitzer, die den Nebeneffekt völlig verkennen. Auch der original Autor ist nun in der Presse, was er ohne den Erfolg von Helene Hegemann wohl nie geschafft hätte. Wahrscheinlich können wir bald zwei gute Bücher lesen, was noch erfreulicher ist. Leider wird keines der beiden Bücher von den Neidern geschrieben worden, aber die können sich in ihrem Kämmerlein weiter aufregen. Die Welt wird sich dennoch weiter drehen. Falscher Planet, falsches Jahrhundert.
Kopieren ist bei mir übrigens ausdrücklich gewünscht! Alles was ich so mache steht prinzipiell unter CC-Lizenz. An diesen Urheber-Dreck glaube ich nicht, sonst hätten wir immer noch kein Rad erfunden.
Traditionsmedien
07. Jan
Hat jemand im Alleingang ein erfolgreiches Geschäft aufgebaut und ist damit berühmt geworden, bekommt man oft Anerkennung in der Presse. Ist dieser Erfolg einer Frau gelungen steigert sich die Anerkennung, denn Frauen haben es doppelt schwer sich gegen männliche Geschäftspatriachen durchzusetzen. Hat man diesen Erfolg im Internet machen die “Traditionsmedien” eine Geschichte daraus, die man auch mit der Überschrift “Schau dir mal die Freaks an” betiteln könnte. Aus sieben erfolgreichen Geschäftsfrauen werden sieben Freaks dümmliche Chicks gemacht.
(“Tweeple” und “Twilebrity” hat die Vanity Fair für auf Twitter bekannte Persönlichkeiten erfunden… Oh, Mann…)
For tweeple, e-mail messages are sonnets, Facebook is practically Tolstoy. “Facebook is just way too slow,” says Stefanie Michaels…“I can’t deal with that kind of deep engagement.”
….
“Sometimes,” says Julia Roy, a 26-year-old New York social strategist turned twilebrity, scrunching her face, “when you’re Twittering all the time, you even start to think in 140 characters.”
Auf diese Vergleiche mit Email und Facebook und Sonetten und Tolstoy muss man erstmal kommen, diese Tweeple sind ja auch zu ungebildet, um so etwas noch zu wissen. (1)
Schön ist auch “scrunching her face”:
to scrunch: zerdrücken, zusammenknüllen.
Dieses Denken und Sprechen fällt uns ja auch sehr schwer, so dass uns die Gesichtsmuskulatur immer völlig entgleist.<2>
Felicia Day berichtet von ihrer Erfahrungen mit der Vanity Fair
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(1) Ein Qualitätsjournalist hätte allerdings auch gewusst, dass eine Sonette kein poetisches Gedicht ist, sondern einem exakten und komplexen Versmaß – ähnlich einem Musikstück – folgen muss.
(2) Der Autor hat das Adverb “scrunchingly” zwar grammatisch umgangen, aber inhaltlich steht es da immer noch und Adverben sind IMHO maximal schlechter Schreibstil in einem Artikel oder Buch. Entweder drückt die Aussage oder das Handeln die Befindlichkeit des Handelnden aus oder es ist die Erwähnung nicht wert.
“If you find an adverb – Kill it!” Mark Twain


