Cynx Cynical World
Beiträge getaggt mit Piratenpartei
Giftig
23. Sep
“(…)Jede Stimme für die Piraten ist eine Stimme für den Gulli”, giftet Guido Westerwelle. “Ich finde die Piratenpartei intolerant”, tönt SPD-Frakations-Geschäftsführer Thomas Oppermann. Und CDU-Präsidiumsmitglied Philip Mißfelder erklärt den Gegner zur “Witzpartei”.
Wer aggressiv ist, der ist es entweder von Haus aus, oder er fühlt sich angegriffen – und hat Angst. Im windelweichen, themenbefreiten Wahlkampf 2009 liegt die Option zwei nahe.(…)
Handelsblatt, Hervorhebung von mir.
Wahl-Unterlagen
20. Aug
Die meisten Gemeinden bieten die Beantragung auf Briefwahl mittlerweile auch online an. LifeGen vermutet sogar, dass die der Piratenpartei zu vielen weiteren Stimmen verhelfen könnte, was ich natürlich um so besser finden würde.
Also nicht lang gezaudert! Man kann die Briefwahl seit 2008 auch ohne Angabe von Gründen beantragen und die Ausrede “Ich hab’s nicht zum Wahllokal geschafft” zählt gar nicht mehr. Mit wenigen Clicks ist der Antrag unterwegs und die Wahlunterlagen sind zu Hause. Dann muss es nur noch selber zum Briefkasten schaffen.
Klar machen zum ändern!
Piratenparteitag und die Regel-F*cker
05. Jul
Am zweiten Tag des Bundesparteitages der Piratenpartei muss ich erstmal meinen ganz großen Respekt an den Sitzungsleiter aussprechen, dass er auch noch nach Stunden der Sitzung so bei der Sache ist: Großes Kino! Ebenso klasse, dass die Technik hält und jeder interessierte sich per Stream in den Parteitag einklinken kann.
Ich habe gestern einige Stunden verfolgt, heute morgen ebenso (dass nächste Mal bin ich hoffentlich auch live dabei) und wenn man die Tweets und Chatkommentare so mitliest, schwingt ein leichter Tenor mit, der in etwas so geht: “Wir sind anders, darum verzichtet doch auf die Bürokratie und diese mittelalterlichen Abstimmungsformen. Warum muss bei den Abstimmungen der Stream gestoppt werden, das ist doch Zensur… usw“.
Gerade der Chat ist natürlich zum Teil ein echtes Troll-Tummelfeld, aber auch gestandene Tweeter formulierten ähnliche aussagen.
Meine Meinung: Ich bin heilfroh, dass es genau so läuft!
Denn wer einmal Vereinsarbeit gemacht hat, stellt schnell fest, wie wichtig die Einhaltung der Bürokratie ist. Beim lokale “Linux e.V. Ochsenkopf Nord” mag man das noch locker halten, denn das ist eine kleine Gruppe mit wenig Reibung. Aber in einem “umkämpften” Verein sieht das ganz anders aus. “Umkämpft” sind schon Schützenvereine, Karnevalsvereine, Kleintierzüchter, alle Gruppen wo die kritische Schwelle von 20 Mitglieder überschritten wird. Denn dann gehen Machtkämpfe los und es gibt immer jemanden, der sich mit Vereinsrecht gut auskennt und ganz locker die Entscheidungen und Abstimmungen der letzten Zeit mit “formalen Fehlern” wegklagen kann, oder schlimmsten Falls sogar die Kasse mit dem Finanzamt blockiert.1
Diese Vision möchte ich bei der Piratenpartei nicht an die Wand malen und nicht glauben, dass innerparteiliche Meinungsverschiedenheiten auf dieser Ebene ausgeführt werden. Aber der oben beschriebene Weg steht auch “Partei-Feinden” offen und wir können sicher sein, dass nach unserem unglaublichen Erfolg, die anderen Parteien mehr als genau hinschauen werden. Daher: Lieber einmal eine Regel zu genau befolgt, als danach vor dem Trümmerhaufen zu stehen.
Wenn wir den richtigen Erfolg haben können wir die altertümlichen Regeln, dann auch ändern
1) Gegen ein Bier erzähle ich auch gerne mal die Geschichten eines kleinen Literaturvereines, wo solche Dinge letztendlich zu zerstochenen Reifen geführt hat…
Das Urheberrecht aus der Sicht einer Autorin
01. Jul
Anne Alter schreibt über ihre Gedanken zum Urheberrecht aus der Sicht einer Autorin und wird von den Musikpiraten dazu befragt.
Schön zu sehen, dass ein Umdenken auch bei den Kreativen stattfindet, sie alte Strukturen hinterfragen und offen für Neues sind.
Mela kommentiert die andere Seite des Diskurses, in dem sie sich den Artikel von Hubert Burda über den Online-Journalismus näher annimmt. Nicht nur in der Politik auch in den Chefetagen sitzen Internet-Ausdrucker, die das Medium Internet nicht mal annähernd verstanden haben.
Update: Medial Digital nimmt den Burda Artikel auch auseinander und gibt ihm eine einfache Lösung: Dann boykottiert doch Google!
Alle Links sind extrem lesenswert.
Die Hoffnung…
22. Jun
… stirbt nach der Volksweisheit zu letzt, aber irgendwann ist sie dann auch wirklich tot. Ungefähr so tot, wie die Hoffnung, dass die herrschende Politik mal einen Löffel Verstand zu sich nimmt. Das Parteiprogramm der CDU für die Bundestagswahl, zeigt deutlich, dass die Bürger und ihre Interessen einen Wert von Null haben. Ähnlich wie die Hoffnung.
Die Zensur ist in Deutschland angekommen
19. Jun

Seit gestern haben wir die gute alte Zensur wieder, ein altes Zitat kommt leicht angepasst in den Sinn.
“Niemand will eine digitale Mauer bauen” (Ulbrich 2.0)
Wie auch die Aussage mit der Mauer, so hat sich die Aussage “Das Gesetz soll nur gegen Kinderpornographie eingesetzt werden” keine 12 Stunden später widerlegt. Die ersten Politiker fordern die Ausweitung der Maßnahmen.
Aber eines hat die Politik komplett falsch eingeschätzt, denn die Politikverdrossenheit, die man vorher so gerne ausgenutzt hat, ist bei einer Gruppe wie weggeblasen. Ehemals unpolitische Menschen gehen auf Demos, diskutieren, treten in Parteien ein… und das ist nur der Anfang.
We are Anonymous.
We are Legion.
We do not forgive.
We do not forget.
We will be heard.
Expect us.
Zitat und Video bei Nerdcore ausgeliehen, dessen Artikel es genau auf den Punkt bringt.
Qualitätsjournalismus
09. Jun
Die alteingesessenen Zeitungen sind um Längen besser als Blogger, sagen sie jedenfalls. Deswegen sollten sie auch bezahlt werden, weil eine gute Recherche Geld kostet. Wie gut diese Recherchen sind zeigt sich u.a. an der Süddeutschen “Wahlerfolg der Piraten“. Inhaltlich eher unwichtig (ein Blick ins Parteiprogramm hätte geholfen), aber die echte Recherche-Qualität zeigt sich in diesem Zitat:
In Schweden erreichte die Partei in der Wahl eine Quote von 7,1 Prozent der Stimmen und darf nun wohl eine kaum einundzwanzigjährige Wirtschaftsstudentin als Abgeordnete nach Brüssel schicken.
Hervorhebung von mir
Der Spitzenkandidat der Piratpartiet heißt Christian Engström, das schon länger und er ist eindeutig männlich. Mit Jahrgang 1960 ist er 49 und nicht 21 und keine Wirtschaftstudentin, sondern Mathematiker mit eigener Firma.
Woher ich das weiß? Sogar die deutsche Wikipedia hat schon einen Eintrag zu ihm.
Da zahlt man doch gerne für die Qualität der SZ, oder?!
Auswirkungen von Buchkopien auf den Verkauf
08. Jun
Vermutet habe ich es schon lange und Paulo Coelho ist sehr gut damit gefahren: Buchkopien online stellen fördert den Verkauf. Coelho betreibt (anfangs heimlich) seine eigene “Piratenseite” für seine Werke mit dem Erfolg, dass seine Bücher deutlich mehr verkauft wurden. Über seine Erfahrungen berichtete er auf einer Konferenz und unterstützte Pirate Bay öffentlich während ihres Prozesses.
Brian F. O’Leary fand nun eine Korrelation zwischen Buch-Kopien und Verkaufszahlen:
With a larger data set, we tried plotting the average paid sales of pirated and un-pirated content using a common starting point (that is, we plotted sales data week-by-week after publication). The results of the week-by-week and four-week rolling averages are shown on slides 28 and 29 of the BEA presentation. Both pirated and un-pirated titles showed similar growth in sales in the first few weeks after a title is published, followed by a decline after peak. Average sales for unpirated content start higher and peak later, although this may reflect the specific nature of titles in a small sample.
The primary difference between sales of pirated and unpirated content appeared in weeks 19 through 25, when sales for pirated content peaked a second time at a level higher than that seen in the first, sell-in period. This second peak followed the time (19 weeks) at which the average pirated O’Reilly front-list title was first seeded on a P2P site.
We stress that this is correlation, not causality, but the difference in the sales profile is notable and persists even when using rolling averages.
Impact of Piracy and Free on Book Sales (BEA 2009, Powerpoint) 2.0 MB
via BoingBoing
Lesenswertes
03. Jun
Dieses Blog muss dringend mal wieder aktiviert werden, wie eigentlich jede Aktivität… Ich komme zu nix.
Vor einigen Tagen hatte ich den Post “Der ideale Geek-Jahrgang” in diesem Geiste schreibt auch SpOn. Den Artikel kennt wahrscheinlich schon jeder, aber alleine für mich als Bookmark muss er hier rein. Für alle anderen der Lesebefehl schlecht hin!
Die Generation C64 schlägt zurück
Die Debatte um Ursula von der Leyens Gesetzentwurf gegen Kinderpornografie im Netz macht eine gesellschaftliche Kluft sichtbar: Die Generation Online will nicht länger akzeptieren, dass über sie hinwegregiert wird. Ein Generationenkonflikt wird sichtbar, der das Land noch Jahre lang spalten könnte.
Auch wenn man mir es nicht glauben wird: Genau so einen Artikel wollte ich auch noch schreiben… und ja mein erster Rechner war auch ein C64.
Auch das Handesblatt reagiert auf den Artikel mit dem ebenso lesenswerter Blogbeitrag:
Bundesregierung vs. das Internet – die nächste Eskalationsstufe
Nicht zum obigen Thema passend, aber ein schönes Lehrstück über unsere aktuelle Politiker-Generation und warum die FDP bei der Europa-Wahl aus meiner Sicht nicht wählbar ist bringt die FAZ:
Zensur und Missbrauch
27. Apr
In der Zwischenzeit hat sich wieder einiges getan, so viel dass man aus dem Kopfschütteln gar nicht rauskommt und langsam zur geballten Faust greifen möchte (natürlich nur im übertragenen Sinn). Da hat die Zensursula von der Leyen ein Interview im Radio gegeben, die Kernaussage: Wer technisch dazu in der Lage ist das Stumpf Stop-Schild zu umgehen, gehört zu einer Minderheit von 20% und die sind zum Teil schwer Pädokriminelle:
Wir wissen, dass bei den vielen Kunden, die es gibt, rund 80 Prozent die ganz normalen User des Internets sind. Und jeder, der jetzt zuhört, kann eigentlich sich selber fragen, wen kenne ich, der Sperren im Internet aktiv umgehen kann. Die müssen schon deutlich versierter sein. Das sind die 20 Prozent. Die sind zum Teil schwer Pädokriminelle. Die bewegen sich in ganz anderen Foren. Die sind versierte Internetnutzer, natürlich auch geschult im Laufe der Jahre in diesem widerwärtigen Geschäft.
Telepolis: 20 Prozent der Internetnutzer sind “zum Teil schwer Pädokriminelle”
Im Gegensatz zu Frau von der Leyen bin ich seit 1994 in diesem “widerwärtigen Geschäft” und habe noch nie so eine Seite gesehen, ich frage mich da schon: In welchen Foren treibt sich die Frau rum?
Ziemlich genau vor einem Jahr schrieben die Herren von der CDU und SPD in einem Grundsatzpapier mit der zentralen These “Das Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit weltweit durchsetzen und der Internetzensur entgegentreten
” folgenden schönen Satz:
In der Mehrzahl der Staaten dient die Zensur der Machtsicherung der Regierenden.
Damals waren sie noch dagegen, mittlerweile wissen sie dieses Machtinstrument zu schätzen. Wendehals 2.0
Was kann man tun? Erstmal dafür sorgen, dass die Piratenpartei bei der Bundestagswahl auf dem Stimmzettel kommt und Unterschriften sammeln (sowie René), das ist noch kein Parteibuch, sondern der demokratische Wille mehr Parteien-Vielfalt haben zu wollen. Redet mit euren Freunden, Bekannten, Kollegen, denn das Thema ist noch zu sehr im Internet und muss unter das Volk gebracht werden.
Die Formulare zur Unterschrift findet man hier: http://ich.waehlepiraten.de/
Nur so werden wir den Kindern der kommenden Generation sagen können: “Ich habe davon gewusst, ich war dagegen und ich habe etwas dagegen getan.“
Wem das ganze Thema zu komplex ist oder der Meinung ist “Wieso, ist doch gut wenn die perversen Schweine wegkommen.”, der sollte die guten Artikel von Pandoras Kekzdose “Missbrauch missbrauchen” und Jens “Warum es um Zensur geht” lesen (letzterer kommt nach dem Break als Copy & Paste). Denn die erklären auch dem Laien mit einfachen Worten, warum der Missbrauch ganz wo anders statt findet.


