Cynx Cynical World
Beiträge getaggt mit Journalismus
Am besten nichts Neues – Tom Schimmeck
06. Jul
Gerade bei Alex abgefischt, das Buch muss unbedingt auf meinen Lesestapel:
Am besten nichts Neues: Medien, Macht und Meinungsmache – Tom Schimmeck
Der Untergang des unabhängigen Journalismus.
Der Mut der Presse schwindet, Journalisten und Redakteure stehen immer mehr unter Druck. Konzerne sparen Verlage und Sender zu Tode, und PR-Profis steuern die Themen. Tom Schimmeck seziert die Misere der Öffentlichkeit. Sein Fazit: Die Medien drohen zu Handlangern derer zu werden, die sie kontrollieren sollten – mit fatalen Folgen für unsere demokratische Gesellschaft.
Die Leseprobe ist geht schon gut los:
Ohne Sie, lieber Leser, wäre alles halb so schlimm.
Bevor Sie sich genüsslich und hoffentlich gut gepolstert zurücklehnen, um Ihr harsches Urteil über die Journalisten, die Politiker und das Böse schlechthin weiter zu festigen, ein paar Worte über Sie. Auch Sie tragen große Schuld : Sie sind es, der noch den miesesten Textkrempel kauft, der zwanghaft die abstrusesten TV-Kanäle durchzappt. Nein, natürlich nicht Sie ganz persönlich, aber doch Sie alle, als breite Masse sozusagen, als gottverdammtes Publikum. Sie haben Bild zum Leitmedium der Republik erkoren, per » demokratischer Abstimmung am Kiosk «, wie schon Axel Caesar Springer unselig zu frohlocken pfl egte. Vor gut 40 Jahren. Sie haben sich keinen Deut geändert.
Das Welt-Experiment
23. Jun
Die Welt Kompakt will ein Experiment wagen. Eine komplette Ausgabe soll nur von Bloggern gestaltet werden. Auf den ersten Blick sieht die Idee spannend aus, wenn man etwas drüber nachdenkt… kommen mehr Fragen als Antworten.
Ein Honorar gibt es natürlich nicht, nicht mal ein Frei-Abo. Da man mit freien Journalisten schon umgeht wie mit Sklaven, ist das eigentlich kein Wunder. Aber guter Stil auch nicht. Als Fast-Physiker frage ich mich dann: Was soll denn dieses Experiment beweisen? Was ist die Annahme dahinter? Ich nehme an, die Welt weiß es auch nicht, womit es dann ein Zufallsexperiment aus der Stochastik wäre. Andere Gedanken dazu sind auch bei Gefühlskonserve zu finden, einem der angesprochenen Blogger. Insbesondere das Update in dem Eintrag, zeigt die wahre Haltung der Welt.
Ich nehme an, dass wir bald die hören: “Da strecken wir dem Internet mal die Hand aus und die meckern nur rum…”
Stimmt. Gebrannte Kinder scheuen das Feuer. Nach all den Aktionen von Seiten des Qualitätsjournalismus gegen Blog-Journalismus wird sich dieses Verhalten auch so schnell nicht ändern. Aber liebe Welt Kompakt, du musst nicht traurig sein. Ich kann dein Experiment trotzdem erfolgreich abschließen. Du willst wissen wie so etwas aussehen könnte? Bitte schön.
Mist, das ist ja ein Blog… aber ein sehr erfolgreiches. Schaut es euch gut an, denn von so etwas werdet ihr bald abgelöst. Dauert gar nicht mehr so lange und geht noch viel schneller, wenn ihr die freien Journalisten weiter so behandelt, dass sie selber ihre eigenen Verleger werden.
Leistungsschutzrecht – Das Monopol auf die Sprache
18. Jun
Netzpolitik wurde ein internes Papier aus dem Verlegerumfeld zugeschickt, die Forderungen der Verleger zum Leistungsschutzrecht sind an Unverschämtheit nicht zu überbieten:
Um einen effektiven Rechtsschutz zu gewährleisten, sollten nicht nur Teile des Presseerzeugnisses wie einzelne Beiträge, Vorspänne, Bilder und Grafiken geschützt werden. Schutzwürdig sind beispielsweise auch Überschriften, Sätze, Satzteile etc., soweit sie einer systematischen Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentlichen Wiedergabe in Verbindung mit dem Titel des Presseerzeugnisses dienen.
(Hervorhebung von mir)
Um es kurz zu machen, man will ein Monopol auf die Sprache haben. Sogar Satzteile sollen unter diesen Schutz fallen. Wohl gemerkt, es sind die Content-Verwerter, die hier Kohle machen wollen – nicht die Content-Erzeuger (=Autoren). Bei den Autoren gibt es wohl auch Mitläufer, aber ebenso unabhängige (und vernünftige) Verbände wie die Freischreiber e.V., welche in dem Papier auch gleich entsprechend runter gemacht werden. Die Position der Freischreiber ist hier zu finden.
Würden diese Forderungen Realität werden, ist die Zeit des unabhängigen Netz-Journalismus vorbei.
Weitere Hintergründe im Artikel auf Netzpolitik.
Das Urheberrecht aus der Sicht einer Autorin
01. Jul
Anne Alter schreibt über ihre Gedanken zum Urheberrecht aus der Sicht einer Autorin und wird von den Musikpiraten dazu befragt.
Schön zu sehen, dass ein Umdenken auch bei den Kreativen stattfindet, sie alte Strukturen hinterfragen und offen für Neues sind.
Mela kommentiert die andere Seite des Diskurses, in dem sie sich den Artikel von Hubert Burda über den Online-Journalismus näher annimmt. Nicht nur in der Politik auch in den Chefetagen sitzen Internet-Ausdrucker, die das Medium Internet nicht mal annähernd verstanden haben.
Update: Medial Digital nimmt den Burda Artikel auch auseinander und gibt ihm eine einfache Lösung: Dann boykottiert doch Google!
Alle Links sind extrem lesenswert.
Qualitätsjournalismus
09. Jun
Die alteingesessenen Zeitungen sind um Längen besser als Blogger, sagen sie jedenfalls. Deswegen sollten sie auch bezahlt werden, weil eine gute Recherche Geld kostet. Wie gut diese Recherchen sind zeigt sich u.a. an der Süddeutschen “Wahlerfolg der Piraten“. Inhaltlich eher unwichtig (ein Blick ins Parteiprogramm hätte geholfen), aber die echte Recherche-Qualität zeigt sich in diesem Zitat:
In Schweden erreichte die Partei in der Wahl eine Quote von 7,1 Prozent der Stimmen und darf nun wohl eine kaum einundzwanzigjährige Wirtschaftsstudentin als Abgeordnete nach Brüssel schicken.
Hervorhebung von mir
Der Spitzenkandidat der Piratpartiet heißt Christian Engström, das schon länger und er ist eindeutig männlich. Mit Jahrgang 1960 ist er 49 und nicht 21 und keine Wirtschaftstudentin, sondern Mathematiker mit eigener Firma.
Woher ich das weiß? Sogar die deutsche Wikipedia hat schon einen Eintrag zu ihm.
Da zahlt man doch gerne für die Qualität der SZ, oder?!
Qualitätsjournalismus
12. Feb
Die P.M. ist allgemein schon nicht als ein qualitativ hochwertiges Blatt bekannt, aber ihr Online-Artikel zum Drachenfest erreicht nicht mal das Niveau einer Schülerzeitung:
P.M.:Was gibt es dieses Jahr beim LARP?
Schlecht geschrieben und was soll dieser merkwürdige Fettdruck?!
Ich befürchte der Printartikel ist nicht besser, aber ich werde mal am Kiosk reinschauen.



