Am Samstag hatte die Vorfreude ihre Auflösung, denn die Warschauer Sinfoniker unter der Leitung von Marzena Diakun betraten die Bühne der Marburger Stadthalle, um die Zuhörer für einen Abend nach Mittelerde zu entführen. Das Betreten der Bühne war in diesem Fall schon eine Show für sich, denn die eigentlich gar nicht so kleine Bühne der Stadthalle wurde bis zur letzten Ecke ausgenutzt. Nur mit einer guten Organisation konnten die über 150 Musiker die Bühne betreten ohne sich gegenseitig zu behindern.

Begleitet von leichtem Kunstnebel und einer Filmprojektion (stimmungsvoll, aber leider ohne Originalszenen) betrat man akustisch die Welt von Mittelerde und zumindestens ich sah die Filme vor meinem geistigen Auge noch mal dahinziehen. Die Musik von Shore live mit einem großen Orchester zu erleben war ein echter Genuß, die Pauken gruben sich in den Magen und die Altstimme von Angela Isabelle Eberlein als Solisten bei Enyas “May it be” war einer Elbe würdig.  Mit dezenter Gestik unterstützt waren ihre Auftritte ein Highlight des Abends, die Sopran-Solistin Zuzanna Kassak war nicht schlecht, blieb aber blass gegen Eberleins Auftritte. Leider war mit der Reise nach Mittelerde auch eine erhebliche Raum-Zeitfaltung verbunden, so dass das Konzert viel zu schnell vorbei war. Das Publikum dankte den Musikern mit frenetischem Applaus, Fußgetrampel und Standing Ovations, was die Musikern sichtlich verblüffte.

Nach dem der Soundtrack zu den HdR-Filmen zwei Jahre in Folge als bester Soundtrack aller Zeiten vom Sender Classic FM gewählt wurde, schrieb Howard Shore die Musik zu einer Suite in sechs Sätzen um.