Sprachspielereien

Er entschuldige sich “von Herzen” bei jenen, die er mit Blick auf seine Dissertation verletzt habe.

SpOn

Kleine Lehrstunde, auch für Politiker:
Man kann sich nicht selber entschuldigen. Das kann man auch aus dem Wort herauslesen: ent-schuldigen. Jemand steht in der Schuld und nur der “Gläubiger” kann diese Schuld wieder aufheben. (Ansonsten wäre mein nächster Gang zur Bank, natürlich auch ganz von Herzen).

Man kann um “Entschuldigung bitten” und damit eingestehen, dass man sich falsch verhalten hat. Der Geschädigte kann dies annehmen oder ablehnen, aber es ist seine Entscheidung. “Sich selber zu entschuldigen” ist nichts anderes, als sich selber von einer Schuld befreien, ohne den Geschädigten ernst zu nehmen. Eine leere Floskel, die man sogar als Beleidigung empfinden kann.
Als Jurist sollte man diesen feinen Unterschied sogar kennen, denn dort ist der Entschuldigungsgrund bekannt, dieser entbindet von der Schuld, aber nicht von der Rechtswidrigkeit.

Das sprachliche Radiergummi

Frau Aigner, die Verbraucherschutzministerin, schlägt erneut zu und präsentiert sich mal wieder extrem kompetent. Mit dem “digitalen Radiergummi” (1) in der SZ:

Deutsche Informatiker haben mittlerweile eine Art digitalen Radiergummi entwickelt: ein System, mit dem jeder seine Dateien und Bilder mit einem Verfallsdatum versehen kann, bevor er sie ins Internet stellt. Nach Ablauf dieser Frist kann die Datei nicht mehr aufgerufen werden. Wenn es funktioniert, käme das einem Radiergummi doch sehr nahe und ließe sich auch weltweit verkaufen. Ich freue mich, dass der Erfinder Michael Backes, Professor für Informationssicherheit und Kryptographie der Universität des Saarlandes, die Technologie bei einer Fachkonferenz meines Ministeriums am 11. Januar in Berlin vorstellen wird. (…)

Auf den inhaltlichen Unsinn gehe ich mal gar nicht ein, das macht Heise schon sehr gut und Jens ebenso.

Aber ich habe bei MaHas Vortrag auf dem 27c3 gut aufgepasst. wie man schlechte Dinge schön redet. Es handelt sich bei ihrem Radiergummi, nämlich um einen digitalen Kopierschutz, der ja sooo praktisch für bestimmte Gruppen im Internet wäre. Da gibt das Argument “kann man gut verkaufen” auch gleich wieder Sinn.

Man nutzt zur Verschleierung:

Metaphern:
“Digitales Radiergummi”

Partikel:
“mittlerweile”

argumentum ad verecundiam (sich auf Experten berufen)
“Deutsche Informatiker”

argumentum ad ignorantiam (eigene Unwissenheit einbauen)
“Wenn es funktioniert…”

Nebelkerzen (vom Thema ablenken)
“Ich freue mich…” – Was hat das damit zu tun, wen sie demnächst zum Kaffee hat?

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Der Stand der Welt 2011

Es wird mal wieder Zeit:

Bruce Sterling is a science fiction author, journalist, speaker, and citizen of the world, spending much of his time on the road, in Serbia, in Italy, and in the U.S. (… und)
Jon Lebkowsky is an Internet expert, evangelist, and consultant, social
commentator, gonzo futurist, media analyst and critic, organizer and
activist based in Austin, Texas.

Schauen zum elften Mal auf the State of the World

I’m not clear whether the world was more demented than usual in 2010, or the general craziness was just better documented than ever before.

Genau passend dazu stellt Recon Instruments auf der jetzt beginnenden CES Cyber-Goggles vor:

On the HUD are speed and distance traveled, a virtual odometer, temperature and location. You can also hook it up to a computer to download GPS-tracked records of your visits to Stambul and Freeside

Erstmal nur eine Skibrille, aber das könnte der Anfang sein…

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