DigitalCulture

Unerträgliche Politiker des Überwachungsstaates

Heute: Der niedersächsische Justizminister Bernd Busemann (CDU)

Er schickt Frau Leutheusser-Schnarrenberger, die letzten Liberale des Landes, “Formulierungshilfen” für den Überwachungsstaat, denn:

Die Regelungslücke [gemeint ist die fehlende verdachtsunabhängige Datenspeicherung] führt nach Ansicht der Niedersachsen gerade (…) zu “unerträglichen Ergebnissen”.

Geht es nach Herrn Busemann, so soll in Zukunft noch schneller geschossen werden:

Auf IP-Adressen soll bereits bei “gewichtigen Ordnungswidrigkeiten” zugegriffen werden können.

Leider sagt er nicht, was diese “unerträglichen Ergebnisse” sind. Meinungsfreiheit? Pressefreiheit? Den Grundsatz, dass man ohne Anlass nicht verdächtig ist? Alles total unerträglich für so einen CDU-Politiker. Statt anderen Formulierungshilfen zu geben, sollte man ihm vielleicht eine Denkhilfe geben. Was einfaches am Anfang, so ein Kreuzwort-Rätsel aus der Bild. Später vielleicht Sudoku. Dann wäre er beschäftigt und kann keinen Schaden mehr anrichten. Bei positivem Therapieverlauf wäre vielleicht sogar ein Berufsbild mit Verstand möglich, das bedeutet aber leider ein Abschied von der Politiker-Karriere.

2010: Das Jahr des Geeks vs 2010: The year Geek died

Thomas Knüwer nennt das Jahr 2010 das Jahr des Geeks

(…)Letztlich aber wird dies nur eine Übergangsphase werden. Die digitale Technik hat in diesem Jahr die Herrschaft übernommen – und wird sie nicht mehr abgeben. Die Geeks haben gewonnen.

Fast zur gleichen Zeit schreibt Patton Oswald in Wired: Wake Up, Geek Culture. Time to Die

Here’s the danger: That (Geek Culture everywhere) creates weak otakus.

Was Herr Knüwer beschreibt, sind keine Geeks (können es aber sein). Es sind normale Menschen im 21. Jahrhundert. Zum Geek sein gehört auch immer eine gewisse Unbequemlichkeit und nicht in die Gesellschaft zu passen, durch Wissen, Neigungen und sozialen Umgang.

Aber in einem hat Herr Knüwer Recht: 10 Jahre im 21. Jahrhundert wird es Zeit, dass die Gesellschaft den Fortschritt annimmt.

Bildschirmfoto 2010-12-27 um 16.18.29

Die dpa, die Wahrheit und die Verwertung

Über den Umgang der Presse mit dieser merkwürdigen Subkultur namens “Hacker” hatte ich schon mal geschrieben: Hacker für Journalisten.

Zur Zeit ist der Chaos Computer Congress in Berlin und natürlich blickt auch die Presse dorthin in der Hoffnung neue – möglichst skandalträchtige – Meldungen zu bekommen. Oder besser, sie lassen blicken und zwar mit der dpa.

Am Beispiel meiner Lokalzeitung der HNA, sieht das dann so aus:

Chaos Computer Club: Mastercard und Visa nicht angreifen
Berlin – Der Chaos Computer Club (CCC) hat Hacker dazu aufgefordert, sich in der Debatte um Wikileaks nicht an Angriffen auf Unternehmen wie Mastercard oder Amazon zu beteiligen.

Das ist in so ziemlich jedem Punkt falsch, den man sich nur denken kann. Der Sprecher Rop Gonggrijp hat die Eröffnungsrede gehalten und diese Forderung nicht mal am Rande erwähnt. Abgesehen davon ist es ziemlich gewagt zu schreiben, dass der CCC etwas fordert. Das würde nämlich dann die Pressestelle sagen und wäre auf der Webseite lesbar.

Was hat er denn nun gesagt? Da es die Talks noch nicht online gibt, greifen wir auf dieses moderne Medium namens Twitter zurück. Dort wurde der Talk auch dokumentiert.


Lese nur ich da etwas ganz anderes hinaus?

Ich bin ein netter Mensch und habe die HNA auf ihren Fehler hingewiesen, als Antwort bekam ich nur diese Meldung.

Danke, das wusste ich schon. Geändert haben sie natürlich nichts, geantwortet auch nicht mehr.

Wirklich übel daran ist: Es gibt immer noch Menschen, die nach der Devise leben “Das steht in der Zeitung, also muss es wahr sein.” und es sind nicht wenige.

Update: Den Talk von Rop gibt es nun auch schriftlich

Whatever our role is, it is certainly not to deny freedom of speech to people or organizations who don’t like freedom of speech. This whole Anonymous thing is so getting on my nerves. People ask me “Anonymous… That is the hackers striking back, right?” And then I have to explain that unlike Anonymous, people in this community would probably not issue press release with our real names in the PDF metadata. And that if this community were to get involved, the targets would probably be offline more often.

This is a mental maturity issue: our community has generally succeeded in giving black belts in computer security karate only to people that have proven a certain level of mental maturity. Yes, some of us could probably do some real damage to Paypal and Mastercard. But then we also understand that no good comes from that. If the unlikely event that someone here has not yet reached this level of maturity, please do not connect your machine to the network and talk to some of the other people here for additional perspective.

On the positive side, some of the issues we care about are going to be getting lots of attention, and this attention can be used for good if we keep our wits about us.

“a mental maturity issue” sagt Rop, die Nachrichtenagentur sind bis dahin noch nicht gereift. Für sie gilt weiterhin das alte Zeitungs-Motto: “We make news – not truth.”

Die Prophezeiungen des Ray Kurzweil

Ray(mond) Kurzweil ist einer der Pioniere in der Computertechnologie: optische Mustererkennung, Sprachsynthese, Synthesizer,  in all diesen Gebieten hat er wichtige Grundlagen gelegt. In den letzten Jahren ist er aber als Zukunftsforscher bekannt geworden, u.a. mit seiner “Long Bet One”. Spätestens 2029 soll die erste künstliche Intelligenz den Turing Test bestehen, ansonsten bezahlt Kurzweil $20.000.

In seinem Aufsatz “How my predictions are faring” blickt er (aus der Sicht vom Oktober 2010) auf seine bisherigen Aussagen zurück. Knapp 150 Seiten Analyse, die einen gespannt auf das neue Jahr blicken lassen.

Aktuelle Literatur zur (Netz-)Politik

Future Shock – Alvin Toffler

In the book, Toffler defines the term “future shock” as a certain psychological state of individuals and entire societies. His shortest definition for the term is a personal perception of “too much change in too short a period of time“.

Wikipedia (natürlich mal wieder nichts in der deutschen Version)

Erschienen 1970, Weltbestseller mit >50 Übersetzungen.

Shockwellenreiter – John Brunner

First we had the legs race. Then we had the arms race. Now we’re going to have the brain race. And, if we’re lucky, the final stage will be the human race.

Die literarische Antwort auf Toffler, Nick Halflinger macht sich die (Future-)Schockwelle zu eigen und surft auf ihre durch die immer enger werdende Staatsmacht. Erschienen 1975.

Schafe blicken auf – John Brunner

No one except possibly the late John Brunner, in his brilliant novel “The Sheep Look Up,” has ever described anything in science fiction that is remotely like the reality of 2007 as we know it.

William Gibson in einem Interview

Erschienen 1972 mit dem wundervollen Zitat: “Um ein wertvolles Mitglied einer Schafherde zu sein, muss man zu erst einmal ein Schaf sein.”.

Ist alles also nicht ganz so neu…

Digital Hardcore Dokumentation

Eine niederländische Dokumentation, die aber in gut verständlich ist. Zeit mal wieder die alten Platten aus dem Schrank zu holen.

Die Musik wird elektronisch erzeugt, meistens mit alten PC-Systemen wie AtariC64 und Amiga und zeichnet sich durch ihre besondere Härte aus. Sie enthält viele Elemente, die auch im Hardcore-PunkElectropunkElectronicaHardcore TechnoGabbaBreakcore und Breakbeat zu finden sind. Die Texte haben oft eine eindeutige politische Ausrichtung. Sie sind stark anarchistischantifaschistisch und feministisch geprägt.
Wikipedia

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