Cynx Cynical World
Denken
Die gebildete Elite
06. Sep
Eigentlich wollte ich nicht auch was über den Herrn Sarrazin schreiben, darüber gibt es genug und auch im normalen Leben gilt für mich: Don’t feed the troll. Ich diskutiere ja auch nicht jemanden, der sich ein Alu-Hüttchen aufsetzt. Gleiches gilt auch für die sogenannte “Meinungsfreiheit-Debatte.
Den Ausschlag haben dann aber heute ein Artikel auf Carta (zitiert Spiegel) und Zeit gegeben.
Der gute Mann hält also viel auf seine Bildung und “verachtet” Ungebildete. Super, das kann ich auch. Insbesondere trifft das für mich bei Pseudo-Intellektuellen zu.
“Der Gastarbeiterstopp endete vor 37 Jahren, das ist genug Zeit um Deutsch zu lernen.”
Zitat Sarrazin aus dem Zeit Artikel.
Nun lieber Herr Sarrazin, sie sind Jahrgang 45. Damit hatten sie gute 65 Jahre Zeit unsere Muttersprache zu lernen. Schaue ich mir irgendeines ihrer freien Interviews (=nicht vom Blatt abgelesen) an (zum Beispiel die Sequenzen hier, noch besser ist direkt diese Stelle), ist das ein Gestotter auf dem Niveau eines Pubertierenden beim ersten Ausleihversuch eines Pornos. “Äh” “Hmm” kommen beide nicht im Duden vor. Gerade wer sich als “Gebildeter” ausgeben will, sollte die freie Rede beherrschen. Es ist nicht damit getan auswendig zu lernen und sich darauf zu berufen, dass man noch Latein, Hebräisch und Griechisch in der Schule hatte. Auswendig lernen ist keine Bildung, sondern ein stumpfer maschineller Prozess. Intellekt beginnt dann, wenn man diese Fakten frei kombinieren und vor allem auch äußern kann und zwar so, dass sie jeder – gleich welcher Bildung – erfassen kann. Dieser freie Diskurs gilt als Königsdisziplin an Elite-Universitäten wie Harvard oder anderen. Ihre Universität Bonn (laut ihrer Biographie nicht mal ein Auslandsstudium *tstststs*) spielt da ja fast in der gleichen Liga…NOT.
(Eine kleine Anekdote am Rande: Fast alle Youtube-Videos mit dem Tenor “Sarrazin hat Recht” schreiben seinen Namen falsch… Honi soit qui mal y pense.)
Ein weiterer Ratschlag von mir Herrr Sarrazin: Auch wenn sie das jetzt verblüffen mag. Aber eine Statistik (das ist das mit dem Prozent und so) kann man sich nicht einfach ausdenken. Dazu muss man “forschen” und “Studien machen”. Bitte lernen sie diese Wörter auswendig, damit Sie das nächste mal nicht so gestottert werden, denn verstehen werden Sie das wohl nie. Haben sie auch schon gesagt:
“vor Naturwissenschaften habe er {Sarrazin} sich gedrückt. Nur aufgrund sehr guter Mathematiklehrer habe er die Schule mit „recht fundierten“ Mathematikkenntnissen verlassen.”
“recht fundiert” – ein Synonym für: Hat sich stets sehr bemüht.
Open Data, Open Gouverment
24. Aug
Mein berufliches Hauptwerkzeug SAS hat eine Studie beim Forsa-Institut in Auftrag gegeben, in wie weit Bürger sich mehr Transparenz bezüglich politischer Entscheidungen wünschen und was sie sich davon erhoffen. Das Ergebnis dürfte Wasser auf die Mühlen der Piratenpartei sein
BTW: Eine vernüftige Studie enthält übrigens auch immer solche Daten, insbesondere die Fehlertoleranz. Studien ohne solche Angaben sind für die Tonne.
… und ich finde hoffentlich bald raus, warum die Lightbox Bilder 2 mal öffnet.
Daten auf neuem Personalausweis sind nicht sicher
24. Aug
Der Chaos Computerclub hat den neuen Chip-Personalausweis geknackt. Doch der Innenminister sieht deshalb keinen Handlungsbedarf.
Noch Fragen, euer Ehren? Besonders schön finde ich das “keinen Handlungsbedarf”. Warum auch, mit dem Perso sollen in der Zukunft auch nur Rechnungen beglichen werden, man kann den Online Betrügern nicht einfach die Grundlage entziehen… oder so.
Weitere Infos bei der Piratenpartei und was man tun kann.
via Ralf
Spielen für den Weltfrieden II
17. Aug
Mal wieder etwas Forschungsmaterial für meine Lieblings-Gamedesignerin:
Stuart Brown says play is more than fun:
A pioneer in research on play, Dr. Stuart Brown says humor, games, roughhousing, flirtation and fantasy are more than just fun. Plenty of play in childhood makes for happy, smart adults — and keeping it up can make us smarter at any age.
Technologie ist Kultur
17. Aug
Zukunftsforscher Jamais Cascio spricht auf der Activate 2010 über die Evolution und Zukunft des Internets (und droht dabei mit seinen Schuhen). Der Vortrag ist kein rhetorisches Feuerwerk der Unterhaltung, enthält aber viele gute “Nachdenk-Keime” zum Selberdenken [TM]. Das Video gibt es beim Guardian durch Klick auf das Bild.
Weitere Videos von der Activate 2010 u.a. mit Eric Schmidt (Google Chef) und Aubrey the Grey (Unsterblichkeits-Forscher).
Da es im Pre-Roll der Videos erwähnt wird, auch hier noch mal der Link auf Ushahidi einem crowd sourced Disaster Network.
via Warren
Die virtuelle Streifenfahrt
16. Aug
Die Debatte um Googles Streetview wird immer absurder, der neueste Kandidat Rainer Wendt – Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft denkt über “virtuelle Streifenfahrten” nach, sieht aber rechtliche Probleme.
Gleichzeitig hegt er Zweifel, ob die neuen Möglichkeiten umgekehrt auch von der Polizei genutzt werden können: „Es ist rechtlich unklar, ob eine virtuelle Streifenfahrt möglich ist.
Ich sehe die Szene schon vor mir: “Wir surfen nun seit drei Wochen täglich durch diese Straße, da kann überhaupt nichts passiert sein. Ich habe nichts gesehen.”

Netzneutralität: Falsche Informationen als Fakten verkaufen
29. Jul
Das Thema Netzneutralität kommt langsam aber sicher auch bei den klassischen Medien an. Nur ein böser Mensch würde denken, dass das Interesse der Content-Verwerter an einem gesteuerten Netzverkehr auch damit zu tun haben könnte, dass man sich wieder besser im Markt aufstellen kann und die ungewollten Inhalte mittels Netzdrosselung aus dem Weg fegt…
So hat auch der The European das Thema für sich entdeckt und titelt reißerisch “Schlachtfeld Internet – Was heißt hier neutral“. Autor Alexander Görlach findet die Regelung ganz toll, denn es ginge um eine “technische Frage”:
Die Forderung der Netzneutralen ist, dass bei diesem Transfer keine Datenmengen vor anderen priorisiert werden dürfen. Von dieser Priorisierung lebten und leben aber viele innovative Ideen im Web, die wir aus unserem Leben nicht mehr wegdenken wollen: Die SMS konnte ihren Siegeszug nur antreten, weil sie als Datenpaket bevorzugt wurde. Nur wenn die Nutzer sich darauf verlassen können, dass eine abgeschickte SMS immer so schnell wie möglich bei dem Adressaten ankommt, kann dieser Service durchschlagen und am Ende ausreichend monetarisieren.
Ich kann nicht beurteilen, ob Herr Görlach (studierter Germanist und Theologe) die technischen Aspekte von Peering und Transit versteht und wie die für uns zuständige AMS-IX arbeitet, was ich aber beurteilen kann ist dieser kleine Abschnitt:
“Von dieser Priorisierung lebten und leben aber viele innovative Ideen im Web”
Welche? Es wird nicht eine genannt. Genannt wird nur die SMS, die nicht im Web existiert. Da es zur Zeit (noch) Netzneutralität gibt, kann es also laut dieser Aussage keinerlei Innovationen im Netz gegeben haben. Wovon wird denn hier gesprochen?
Was aber wirklich viele Innovationen gebracht hat, war der breite und nicht priorisierte Netzzugang für alle. Mittlerweile ist es für jeden möglich Videos im Netz hochzuladen ohne Stunden mit dem Upload zu verbringen. Videoportale und User-Created-Contend im Allgemeinen sind zu einem echten Marktmotor geworden und ich bin mir sicher: Mit einer noch größeren Upload-Geschwindigkeit würden weitere Innovationen folgen.
Es sind also keine Antikapitalisten und Marktfeinde, die Netzneutralität fordern. Ganz im Gegenteil! Es sind innovative Unternehmen, die erheblichen Druck auf die klassischen Content-Provider ausüben. Einen Druck, den man gerne unterbinden möchte, um seine Monopolstellung zu erhalten.
Aber wenn Herr Görlach die SMS schon erwähnt, will ich sie auch noch kurz ins Spiel bringen. Die SMS war niemals priorisiert gegenüber anderem Datenverkehr im Handynetz. Besonders lächerlich ist der Satz “Nur wenn die Nutzer sich darauf verlassen können, dass eine abgeschickte SMS immer so schnell wie möglich bei dem Adressaten ankommt“. Wir können alle aus eigener Erfahrung das Gegenteil berichten, verlorene und verspätete SMS… und das ist auch völlig logisch. Die SMS ist keine gewollte Kommunikation im eigentlich Sinne, sondern nutzt eine freie Lücke von 160 Zeichen in der rein technischen Kommunikation des Handys aus. Dort wo das Handy mit dem nächsten Masten kommuniziert und sagt “Hallo, hier bin ich, meine Nummer ist…, hast du was interessantes für mich?” war dieser Platz noch vorhanden und kluge Techniker haben sich gedacht “Das kann ich ausnutzen”. Von Priorisierung keine Spur oder nur in sofern, dass es für den technischen Betrieb eines Handys wichtig ist, diese Kommunikation zu haben.
“Monetarisiert” hat man die SMS allerdings wirklich gut, da muss ich Herrn Görlach Recht geben. Es ist immer noch deutlich günstiger 160 Zeichen an das Hubble-Teleskop zu verschicken, als eine SMS zu versenden. Eine Menge Geld für eine Leistung, die technisch ein reines Abfallprodukt ist. Ich würde das allerdings nicht “monetarisieren” nennen, sondern Abzocke. Die Preise sind glücklicherweise gefallen und die SMS verliert durch Push-Dienste ihren Stellenwert.
Für mein Fazit möchte ich den Aufmacher des Artikels ein klein wenig umformulieren:
“Auf keinen Fall darf Netzneutralität das neue Schlachtfeld von Anti-Agitatoren und Inovationsfeinden werden.”
Lügen, verdammte Lügen, Statistik und das iPad
28. Jul
Die Kritiker des iPad hingegen gelten vor allem als mündig und unabhängig. Außerdem interessieren sie sich besonders für Videospiele, Computer, Internet und Naturwissenschaften. Ein geschlossenes Mainstream-Gerät, das vor allem auf einfache Handhabung und Design Wert legt, paßt nicht so gut in das typische Bild eines »Geeks«.
Dieses kurze Zitat fand ich beim Schockwellen-Reiter mit Verweis auf das Originalzitat.
Es bezieht sich auf eine “Studie” wie die “Bevölkerung” denn die Besitzer eines iPads einschätzt. Bei solchen Studien zuckt der Statistiker in mir.
Es fehlen Daten: Grundannahme, Methoden, Stichprobenumfang, Fehlerwahrscheinlichkeit usw.
Aber das ist gängige Methode, so eine polarisierende Aussage verkauft sich gut in der Zeitung und natürlich auch in Blogs. Statistisch relevant wird sie dadurch aber nicht. Also habe ich mich auf die Suche gemacht, nächster Link geht auf Wired. Der Artikel ist inhaltlich ebenso inhaltsleer, nur länger. Von dort geht es dann auf My Type Blog den Urheber der “Studie”. Da wird wird es dann interessant, denn MyType ist kein wissenschaftliches Institut, sondern einer DataMiner mit simplen “Psychologie Umfragen” aus dem Netz.
This blog features results and analysis from the hundreds of thousands of people who have completed MyType’s psychology surveys. Our primary focus is personality, but we also collect and research demographics, values, consumer preferences and more.
Wenigstens erklären sie die Art ihrer Datenerhebung und dass sie auf das Alter gewichtet haben.
From March through May of 2010 MyType surveyed over 20,000 of its users on Facebook about Apple’s iPad to reveal the personality traits, values, demographics and interests that drive differences in opinion about the new tablet computer.
(Hervorhebung von mir)
Großartig, 20.000 Benutzer von Facebook, das nenne ich mal eine neutrale und valide Datenbasis. Eine weitere “Studie” aus der Reihe “Die Geschichte der Statistik ist eine Geschichte voller Missverständnisse! ”
Passend dazu: Netzwertig.com – 4 von 4 Studien sind fragwürdig
Weiterhin empfehle ich den “echten Geeks” [TM] dringend den Begriff “Jailbreak” nachzuschlagen.
Der Titel dieses Artikels ist eine Referenz auf Mark Twains “Lies, damned lies, and statistics“
Stephen Fry: What I Wish I’d Known When I Was 18
23. Jul
STEPHEN FRY: WHAT I WISH I’D KNOWN WHEN I WAS 18 from Peter Samuelson on Vimeo.
“Seriously, do yourself the favour and watch the roughly 30 minutes of Stephen Fry: What I Wish I’d Known When I Was 18″, sagt Dominik zu diesem Video und recht hat er. Mr. Fry interessant, lehrreich, weise und unterhaltsam (wie immer).
via Lost Focus







