Denken

Fragebogen 2011

Noch nicht zu spät, der jährliche Rückblick.

Zugenommen oder abgenommen?

Gleich, mit der üblichen Epsilon-Schranke

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Weniger kurz, weil mehr weit.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Gleich, aber für andere Dinge. Ein Haus lässt einen seltsame Gegenstände erstehen.

Der hirnrissigste Plan?
2011 war reichlich planlos.

Die gefährlichste Unternehmung?
Auf ein Death in June Konzert zu fahren. Zumindest, wenn man der Presse vorher glauben geschenkt hätte.

Der beste Sex?
Indeed.

Die teuerste Anschaffung?
MacBook Air

Das leckerste Essen?
Jul-Essen bei Tom.

Das beeindruckenste Buch?
Eine Menge gute Bücher, aber kein wirklich beeindruckendes.

Der ergreifendste Film?
Siehe Bücher

Die beste CD?
VNV Nation – Atomatic

Das schönste Konzert?
VNV Nation in Gießen und Empyrium in Leipzig

Die meiste Zeit verbracht mit…?
Alltag

Vorherrschendes Gefühl 2011?
Mej

2011 zum ersten Mal getan?
Podcasten

2011 nach langer Zeit wieder getan?
Die Begeisterung für Larp wieder gefunden.

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Gestorbene Freunde, vermisste Freunde, Alltag

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Es wird besser.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Das ist gut geworden.

2011 war mit 1 Wort…?
Unnötig

Vorsätze für 2012?

Do epic shit!

Merkel und die Sache mit der Statistik

Die Bundeskanzlerin blicht strafend gen Süden. Dieses faule Pack dort. Immer nur Siesta machen und nix schaffen. Wirklich schlimm. Mir wurde letztes Wochenende gesagt, dass Politik nichts mit Fachkenntnis zu tun hat und unter diesem Gesichtspunkt ist die Aussage dann auch valide. Denn die Statistik spricht – wieder einmal – völlig andere Worte:

Laut OECD beträgt die durchschnittliche Jahresarbeitszeit deutscher Arbeitnehmer 1.390 Stunden. Ohne Urlaub entspricht dies rund 5,5 Arbeitsstunden pro Tag, bei 30 Tagen Jahresurlaub wären dies 6,26 Arbeitsstunden. Dieser Wert steht natürlich in Konflikt mit der „gefühlten Arbeitszeit“, lässt sich aber dadurch erklären, dass viele Deutsche nicht in Vollzeit, sondern in Teilzeit oder in Minijobs tätig sind, bei denen die Wochenarbeitszeit deutlich geringer ist. Es gibt kein südeuropäisches Land, in dem die Arbeitnehmer eine geringere Jahresarbeitszeit haben als die Deutschen. In Spanien beträgt die durchschnittliche Jahresarbeitszeit pro Arbeitnehmer 1.654 Stunden, in Portugal 1.710 Stunden, in Italien 1.773 Stunden und Griechenland ist mit 2.119 Stunden sogar unangefochtener Spitzenreiter in dieser Liste.

Ähnlich verhält es sich beim Jahresurlaub und den Feiertagen, auf die Merkel in ihrer billigen Polemik verweist. Nach Angaben des arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft beträgt der gesetzliche Mindesturlaub in Griechenland 23 Tage – hinzu kommen 10 Feiertage. In Spanien beträgt der gesetzliche Mindesturlaub 22 Tage – hinzu kommen 14 Feiertage. In Italien beträgt der gesetzliche Mindesturlaub 28 Tage – hinzu kommen 11 Feiertage. Wenn man also nur den Mindesturlaub und nicht den tatsächlichen Urlaub als Vergleich heranzieht, liegt Deutschland (24 + 10,5) beim Jahresurlaub hinter Spanien und Italien, aber vor Griechenland. Deutsche Vollzeitbeschäftigte haben dank der Tarifverträge jedoch einen durchschnittlichen Jahresurlaub von 29,1 Tagen – addiert man die 10,5 Feiertage hinzu, kommt man zum Ergebnis, dass das exakte Gegenteil von Merkels Stammtischsprüchen zutrifft.
(NachDenkSeiten: Die Kanzlerin der Stammtische)

Es ist aber auch eine Krux mit diesen Zahlen, dass sie sich nie an die Politiker halten.

Auch beim Renteneintrittsalter unterscheidet sich Deutschland nur marginal von den südeuropäischen Ländern. Nach Angaben von Eurostat beträgt das effektive Renteneintrittsalter in Deutschland 62,6 Jahre. In Spanien und Griechenland liegt dieser Wert mit 62,0 bzw. 62,3 Jahren nur leicht unter dem deutschen Wert, in Italien liegt er mit 62,8 Jahren leicht über dem deutschen Wert. Wenn Merkel also das Renteneintrittsalter ins Spiel bringt, so meint sie damit eigentlich, dass – wie bei uns mit der Rente mit 67 – auch andere Länder nach deutschem Vorbild die Renten de facto durch ein höheres gesetzliches Eintrittsalter, das weit über dem effektiven Renteneintrittsalter liegt kürzen sollten. Die deutschen Stammtische sollten sich daher nicht über die vermeintlich zu früh in Rente gehenden Südeuropäer aufregen, sondern eher umgekehrt über ihre eigene Regierung, die ihren Bürgern die Renten über die Hintertür kürzt.

via Thomas

Sprachspielereien

Er entschuldige sich “von Herzen” bei jenen, die er mit Blick auf seine Dissertation verletzt habe.

SpOn

Kleine Lehrstunde, auch für Politiker:
Man kann sich nicht selber entschuldigen. Das kann man auch aus dem Wort herauslesen: ent-schuldigen. Jemand steht in der Schuld und nur der “Gläubiger” kann diese Schuld wieder aufheben. (Ansonsten wäre mein nächster Gang zur Bank, natürlich auch ganz von Herzen).

Man kann um “Entschuldigung bitten” und damit eingestehen, dass man sich falsch verhalten hat. Der Geschädigte kann dies annehmen oder ablehnen, aber es ist seine Entscheidung. “Sich selber zu entschuldigen” ist nichts anderes, als sich selber von einer Schuld befreien, ohne den Geschädigten ernst zu nehmen. Eine leere Floskel, die man sogar als Beleidigung empfinden kann.
Als Jurist sollte man diesen feinen Unterschied sogar kennen, denn dort ist der Entschuldigungsgrund bekannt, dieser entbindet von der Schuld, aber nicht von der Rechtswidrigkeit.

Das sprachliche Radiergummi

Frau Aigner, die Verbraucherschutzministerin, schlägt erneut zu und präsentiert sich mal wieder extrem kompetent. Mit dem “digitalen Radiergummi” (1) in der SZ:

Deutsche Informatiker haben mittlerweile eine Art digitalen Radiergummi entwickelt: ein System, mit dem jeder seine Dateien und Bilder mit einem Verfallsdatum versehen kann, bevor er sie ins Internet stellt. Nach Ablauf dieser Frist kann die Datei nicht mehr aufgerufen werden. Wenn es funktioniert, käme das einem Radiergummi doch sehr nahe und ließe sich auch weltweit verkaufen. Ich freue mich, dass der Erfinder Michael Backes, Professor für Informationssicherheit und Kryptographie der Universität des Saarlandes, die Technologie bei einer Fachkonferenz meines Ministeriums am 11. Januar in Berlin vorstellen wird. (…)

Auf den inhaltlichen Unsinn gehe ich mal gar nicht ein, das macht Heise schon sehr gut und Jens ebenso.

Aber ich habe bei MaHas Vortrag auf dem 27c3 gut aufgepasst. wie man schlechte Dinge schön redet. Es handelt sich bei ihrem Radiergummi, nämlich um einen digitalen Kopierschutz, der ja sooo praktisch für bestimmte Gruppen im Internet wäre. Da gibt das Argument “kann man gut verkaufen” auch gleich wieder Sinn.

Man nutzt zur Verschleierung:

Metaphern:
“Digitales Radiergummi”

Partikel:
“mittlerweile”

argumentum ad verecundiam (sich auf Experten berufen)
“Deutsche Informatiker”

argumentum ad ignorantiam (eigene Unwissenheit einbauen)
“Wenn es funktioniert…”

Nebelkerzen (vom Thema ablenken)
“Ich freue mich…” – Was hat das damit zu tun, wen sie demnächst zum Kaffee hat?

Die Nackten und die Lobbyisten

Amerika ist uns in Sachen Technologie immer einen Schritt voraus, so auch in Sachen Nacktscannern am Flughafen. Während bei uns noch getestet wird, wissen die Amerikaner schon: Die Dinger bringen gar nichts und die alternative Abtastung, ist sowohl für Fluggast, als auch das Personal einfach nur peinlich. Wer sich übrigens vorstellt, dass dieser “TapDown” so ähnlich ist, wie bei einem Konzert, der irrt. Es werden auch die intimeren Körperstellen gründlich abgetastet.

Die Untersuchen sind nicht nur sinnlos was das Verhältnis tatsächliche Gefahr zu Gegenmaßnahme angeht, sie bringen auch inhaltlich nichts. Das ist schon an vielen Stellen bewiesen worden, das Video von Adam Savage (Mythbuster) ist aber besonders amüsant.

Passend dazu fragt der Washington Examiner: Wenn die Scanner so sinnlos sind, warum werden sie dann benutzt?

Die Antwort gibt es schon im Titel des Artikels: ‘Naked scanners’: Lobbyists join the war on terror, jemand verdient mit den Scanner verdammt viel Kohle.

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