Cynx Cynical World
Cynx
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Beiträge von Cynx
Larp ist doch kindisch… ist es das wirklich?
29. Mrz
Außerhalb der Rollenspiel-Szene (und zum Teil selbst innerhalb), wird Liverollenspiel oft als kindische Beschäftigung abgetan. Erwachsene, die sich komische Klamotten anziehen und merkwürdige Dinge machen. Der Teil ist sicherlich auch manchmal immer noch so, aber es gibt mittlerweile auch viele interessante Konzepte, die den normalen Rahmen verlassen und neue Konzepte erforschen. Die Skandinavier sind im Liverollenspiel schon lange als Wegbereiter bekannt und dieser Bericht über das Spiel “Delirium” zeigt, was im Liverollenspiel alles möglich ist. Wer seine Vorurteile ablegen möchte, sollte sich 30 Minuten Zeit nehmen und diese Dokumentation sehen (dänisch, mit englischen Untertiteln).
My body is cage…
Delirium documentary from Nordic Larp on Vimeo.
Radikales Lernen
22. Feb
In dem Buch “Edupunks” von Anya Kamenetz(1) stellt die Autorin fest, dass unser Bildungssystem nicht in die heutige Zeit passt und auf ganzer Linie versagt. Ihre Aussagen beziehen sich natürlich in erster Linie auf das Bildungssystem der USA, aber viele Argumente sind auf für Europa/Deutschland gültig.
Am MIT findet nun der Kurs RADical Design for LEARNING statt genau diese Missstände aufheben will. Dabei sollen nicht Noten und harte Arbeit [TM] zu Erfolgen führen, sondern Neugier und Faszination. In einem kleinen Video wird auf den Kurs eingestimmt, dabei sind Burning Man und Hackerspaces positive Beispiele einer neuen Lernkultur, die ohne Zertifikate und strenge Regeln auskommt. Leider ist das Video qualitativ extrem schlecht geschnitten und der Ton von wechselnder Qualität, aber man bekommt einen guten Eindruck von der Idee.
Darin wird auch der Vortrag “Do schools destroy creativity” von Sir Ken Robinson verwendet, den man sich unbedingt in seiner ganzen Länge und animiert anschauen sollte. 12 Minuten des heutigen Tages für ein intellektuelles Highlight.
(1) Die angefangen Rezension liegt schon seit Monaten auf meiner Platte, irgendwann schreibe ich sie auch fertig…
Sprachspielereien
22. Feb
Er entschuldige sich “von Herzen” bei jenen, die er mit Blick auf seine Dissertation verletzt habe.
Kleine Lehrstunde, auch für Politiker:
Man kann sich nicht selber entschuldigen. Das kann man auch aus dem Wort herauslesen: ent-schuldigen. Jemand steht in der Schuld und nur der “Gläubiger” kann diese Schuld wieder aufheben. (Ansonsten wäre mein nächster Gang zur Bank, natürlich auch ganz von Herzen).
Man kann um “Entschuldigung bitten” und damit eingestehen, dass man sich falsch verhalten hat. Der Geschädigte kann dies annehmen oder ablehnen, aber es ist seine Entscheidung. “Sich selber zu entschuldigen” ist nichts anderes, als sich selber von einer Schuld befreien, ohne den Geschädigten ernst zu nehmen. Eine leere Floskel, die man sogar als Beleidigung empfinden kann.
Als Jurist sollte man diesen feinen Unterschied sogar kennen, denn dort ist der Entschuldigungsgrund bekannt, dieser entbindet von der Schuld, aber nicht von der Rechtswidrigkeit.
Radiergummi Reloaded
11. Jan
Ich war so naiv anzunehmen, dass es sich bei dem “Digitalen Radiergummi” (sic) um einen leeren Politikerspruch handelt. Die meinen es aber tatsächlich ernst. Mal ganz davon abgesehen, dass dieser Schwachfug nur funktioniert, wenn man die Software installiert hat, gebe ich jetzt schon den ultimativen Hack zum kontern bekannt:
STRG-DRUCK
So, können wir diese digitale Fehlgeburt dann wieder vergessen?
In dem vorherigen Artikel wurde “kann man gut verkaufen” als wichtiges Argument für die Software angeführt, diese Linie setzt sich auch fort:
Die Software selbst wird kostenpflichtig sein. Ohne diese Einnahmen lässt sich die kommerzielle Entwicklung einer Software im Rahmen eines Universitätsbudgets einfach nicht machen. Es wird daher zwei Bezahlmodelle geben. Man kann eine Flatrate für rund zehn Euro im Monat kaufen oder bildbasiert bezahlen. 20 bis 30 Bilder kosten dann ebenfalls etwa zehn Euro.
10 EUR für 20 Bilder?! 50 Cent pro Bild für einen Humbugschutz, der nicht funktioniert? Mir fallen viele Worte dafür einen und keines davon ist nett…
Schön sind auch die Abschlussworte:
Bilder, die entschlüsselt abgerufen werden, können aber trotzdem heruntergeladen und danach ohne die Verschlüsselung wieder hochgeladen werden, oder?
Das ist richtig. Die Frage ist aber, was technologisch möglich ist und das sollte man versuchen zu erreichen, sofern es Sinn macht. Dass Dateien kopiert und wieder online gestellt werden, ist nicht zu verhindern. In der Regel wird dies aber die Ausnahme bleiben.
Sicher … die Ausnahme. Schon mal in diesem Internetz gewesen?!
Natürlich ist auch der Tagespiegel als Qualitätspresse nicht in der Lage einen Link auf X-Pire zu setzen.
Guter alter Tech-Journalismus
09. Jan
Der Netcast (1) “This week in tech” gehörte zu den ersten Podcasts, die ich für mich entdeckt hatte und verfolge ihn mittlerweile seit Jahren. Eine Runde aus interessanten Gästen, Journalisten, Aktivisten, Programmierer, diskutieren jeden Sonntag über die Ereignisse der Tech-Branche der letzten Woche. Dabei hat Gastgeber Leo Laporte einen guten Draht zu den richten Stellen und so immer den Finger am Puls der Zeit. Twit schafft es aber trotz des eher trockenen Themas immer unterhaltsam zu sein. So ein Ding, der ein amerikanischer Urinstinkt sein muss, in Deutschland wäre so eine Sendung wahrscheinlich knochentrocken und oberlehrerhaft. Tim Pritlove und Bitsundso sind da leider nur kleine Lichtblicke in Deutschland, es gibt noch viel zu wenig unterhaltsame Tech-Netcasts.
Warum komme ich ausgerechnet jetzt auf diesen kleinen Werbeblock?
Anlass ist die Sendung 282: The Golden Boys und ihre Teilnehmer:
Leo Laporte, John C. Dvorak, Jerry Pournelle und Larry Magid
Man schaue sich nun mal die Geburtsdaten der Herren an:
Leo Laporte: 1956
John C. Dvorak: 1952
Jerry Pournelle: 1933
Larry Magid: 1947
Alle sind immer noch in der Techbranche tätig, mir soll also niemand erzählen: Für dieses Zeug bin ich zu alt. Bullshit!
Pournelle ist in mehrfacher Hinsicht eine Ausnahme, nicht nur hat er einen Gehirntumor in hohem Alter besiegt und ist ein hochdekorierter SF-Autor, er ist schreibt auch immer noch Artikel über das aktuelle Geschehen in der Techwelt.
Den Netcast gibt es seit einiger Zeit auch als Video zu sehen, in Verbindung mit dem Apple-TV die ideale Fernseh-Unterhaltung. Mein Geld spende ich lieber dort, als in eine dämliche GEZ-Gebühr, die ich nicht mal zu 1% nutze.
Noch ein Wort zu: “Mit kostenlosen Inhalten im Netz kann man kein Geld verdienen”.
Das Twit-TV Network (mit weiteren Podcasts) hat ein geschätztes Jahreseinkommen von $3-4 Mio.
(1) Produzent und Moderator Leo Laporte bevorzugt Netcast, anstatt Podcast. Podcast, sei zu sehr auf ein Gerät bezogen, womit er Recht hat.
Die Ärmel hochkrempeln
09. Jan
„Roll Up Your Sleeves: The DIY Counterculture“ ist eine schöne Dokumentation über Do it yourself, Punk und Subkulturen. Dabei stelle ich wieder mal fest, wie fördernd feste Orte (Hackerspaces) für solche Projekte sind.
DIY is about giving the tools to the people that have something to say”. Roll Up Your Sleeves is a manifesto for an alternative way of organising, working and thinking.
The debut film from director Dylan Haskins was shot over a two year period by Haskins and his friends. What begins with non-profit all ages gigs in his own home ‘The Hideaway House’ in Ireland leads Haskins to drive US folk punk band Ghost Mice on their European tour and to the realisation that this is all about much more than music.
This youthful, energetic documentary explores the global phenomenon of do-it-yourself culture, why it’s becoming increasingly popular and the problems it has yet to overcome. Roll Up Your Sleeves examines the relationship between DIY culture and the need for autonomous social spaces, looking at various projects across Europe and how these compare with the situation in Ireland. At its heart this is a film about life and how a growing number of people are choosing to live it.
Interviewees include Ian MacKaye of legendary bands (Fugazi, Minor Threat, The Evens & Founder of Dischord Records), Ellen Lupton (author of DIY: Design it Yourself & Curator of Contemporary Design at the Cooper-Hewitt National Design Museum, New York), Ellie and Louise Macnamara of Irish band Heathers and members of long running Dutch experimental punk band The Ex.
via Nerdcore
Briefgeheimnis? Welches Briefgeheimnis?
08. Jan
Obwohl die USA immer noch kein Rechtsmittel gegen Wikileaks hat und ein passendes Gesetz verzweifelt gesucht wird, hindert es sie nicht daran mit einem Gerichtsbeschluss die Firma Twitter zur Herausgabe der Daten einiger User zu zwingen. Darunter auch auch ein Mitglied des isländischen Parlaments. Nice.
Die Reaktion von Twitter ist aber ausgesprochen lobenswert. Andere Firmen hätten wahrscheinlich direkt genickt und ohne Worte die Daten übergeben. Twitter hingegen informiert die betroffenen User, weißt sie auf ihre Einspruchsfrist hin und gibt Hinweise an wen man sich am besten wenden sollte.
Etwas Hintergrund:
The Guardian im Gespräch mit Birgitta Jonsdottir, Mitglied im isländischen Parlament
US tells Twitter to hand over WikiLeaks supporter’s messages
Techcrunch zum Vorgehen von Twitter
Twitter Informs Users Of DOJ WikiLeaks Court Order, Didn’t Have To
Adruino – The Documentary
08. Jan
Der Film über den Open Source Ardruino Prozessor ist endlich fertig. Da habe ich schon was für später.
Das sprachliche Radiergummi
05. Jan
Frau Aigner, die Verbraucherschutzministerin, schlägt erneut zu und präsentiert sich mal wieder extrem kompetent. Mit dem “digitalen Radiergummi” (1) in der SZ:
Deutsche Informatiker haben mittlerweile eine Art digitalen Radiergummi entwickelt: ein System, mit dem jeder seine Dateien und Bilder mit einem Verfallsdatum versehen kann, bevor er sie ins Internet stellt. Nach Ablauf dieser Frist kann die Datei nicht mehr aufgerufen werden. Wenn es funktioniert, käme das einem Radiergummi doch sehr nahe und ließe sich auch weltweit verkaufen. Ich freue mich, dass der Erfinder Michael Backes, Professor für Informationssicherheit und Kryptographie der Universität des Saarlandes, die Technologie bei einer Fachkonferenz meines Ministeriums am 11. Januar in Berlin vorstellen wird. (…)
Auf den inhaltlichen Unsinn gehe ich mal gar nicht ein, das macht Heise schon sehr gut und Jens ebenso.
Aber ich habe bei MaHas Vortrag auf dem 27c3 gut aufgepasst. wie man schlechte Dinge schön redet. Es handelt sich bei ihrem Radiergummi, nämlich um einen digitalen Kopierschutz, der ja sooo praktisch für bestimmte Gruppen im Internet wäre. Da gibt das Argument “kann man gut verkaufen” auch gleich wieder Sinn.
Man nutzt zur Verschleierung:
Metaphern:
“Digitales Radiergummi”
Partikel:
“mittlerweile”
argumentum ad verecundiam (sich auf Experten berufen)
“Deutsche Informatiker”
argumentum ad ignorantiam (eigene Unwissenheit einbauen)
“Wenn es funktioniert…”
Nebelkerzen (vom Thema ablenken)
“Ich freue mich…” – Was hat das damit zu tun, wen sie demnächst zum Kaffee hat?
Die Welt braucht mehr Prof. Lewins
05. Jan
Walter H. G. Lewin ist 71 und war Physikprofessor am MIT. Obwohl er schon lange in Rente ist, begeistert er immer noch die Menschen mit der Faszination an Physik. Eine seiner Vorlesungen war der Tophit bei iTunes U, diese ist – wie alle seine Vorlesungen – natürlich kostenlos erhältlich.
Warum der Professor und die Vorlesungen so beliebt sind? Das muss man sich einfach mal anschauen:
Solche Physiklehrer braucht es an den Schulen!
Ein NY-Times-Artikel über Lewin und zwei ausgesuchte Vorlesungen:


