Cynx Cynical World
Mein Leben mit dem iPad
Seit einigen Wochen bereichert Apples iPad das Geek Manor, Zeit für einen kleinen Rückblick.
Wer nur einen Satz lesen will: Man braucht das iPad nicht, aber es macht ne Menge Spaß.… und es wird das Medienleben ändern.
Ok, waren dann doch 1,5 Sätze.
Noch mal mein Disclaimer vorne weg: Ich bin kein Apple Fanboy, sondern nutze alles was mir in die Finger kommt. Dabei zählt für mich nur der Nutzen für mich, ohne Dogmen der Pro oder Contra Apple Seite.
Vorspiel:
Gekauft habe ich das 16G mit Wlan, also die kleinste und günstigste Version. Mein Gedanke war: Wenn die Kiste schlecht ist, war es die günstigste Lösung. Wenn es gut ist, kann ich nächstes Jahr die Second Generation Hardware ohne große Gewissensbisse kaufen.
Das Unboxing kennt man vom iPhone: Öffnen, kein unnötiges (Verpackungs-)Zeug in der Kiste, nur iPad, Ladegerät und Kabel. Das iPad lädt nicht am USB-Anschluss des Rechners, sondern nur am Ladegerät (braucht mehr Ampere). Mit iTunes verbinden und aktivieren. Been there, done that. Das User Interface des iPhones ist nicht mehr zu verbessern, daher gibt es auch auf dem iPad nichts Neues. Angenehm ist der Hardware-Schalter, um das “Drehen” des Bildschirms zu verhindern. Gerade wenn man auf dem Sofa rumliegt, hat der Sensor sonst eine andere Meinung, was denn nun die optimale Position ist.
Vor dem Kauf des iPads, war mir noch nicht sonderlich klar, was ich denn nun genau damit machen werde. Meine gefundenen Anwendungen, haben mich dann selbst etwas verblüfft.
- Schreibmaschine
Das iPad lässt sich gut überall mit hin nehmen und so begleitet es mich zu jedem Meeting auf der Arbeit. Mit dem Apple-Case zusammen bildet das iPad eine sehr gute Oberfläche zum Tippen. Das Case federt leicht nach, das Tippgeräusch ist dezent aber hörbar, die Tastatur groß und flüssig bedienbar. Auch längere Texte (wie dieser Blogeintrag) gehen damit gut von der Hand. Bei Korrekturen kann man bequem einfach in den Text “greifen”, ohne erst nach der Maus suchen zu müssen. - Comics
eBooks sind irgendwie nicht mein Ding, da lese ich lieber die Totholz-Variante, aber Comics… da rockt das iPad wirklich. Gerade mit App Comixology wird der alte Comic-Fanboy in mir wieder wach. In den 90ern habe ich US-Comics gesammelt. Das ist irgendwann eingeschlafen, aber nun kommen meine alten Helden zurück. Comixology bietet alle großen US-Verlage im Programm und macht alles richtig. Man bekommt oft das erste Heft als kostenlose Leseprobe, wird per Push über die Neuerscheinung der abonnierten Serie informiert und die Bedienung ist intuitiv. Ein besonderes Highlight ist der “Guided View”, dabei wird nicht mehr Seite für Seite angezeigt, sondern die App zeigt die Bilder in der Lesereihenfolge und gibt durch gute “Schnitte” dem visuellen Eindruck noch mehr Tiefe. Mit Stanza können Comics im cbr Format auf das Pad geholt werden. Wolverine.. ich bin wieder bei dir! - Medien
TV: Dieser Punkt wird IMHO einen Umbruch in der Medienlandschaft auslösen. Das gilt natürlich nicht nur für das iPad, sondern für alle Geräte, die da noch kommen werden. Mein Fernseher ist mit dem iPad noch einsamer geworden, denn bevor ich blind durch die Channel zappe, schnappe ich mir das Pad und schaue mir Video-Podcasts an oder irgendeine Serie die ich per Airvideo von meiner Medienplatte streame. Ich bestimme das komplette Programm, niemand sonst. Mit den Video-Podcast bekomme Nachrichten zu den Themen, die mich interessieren und das brandaktuell. Revision 3 hat letzte Woche gemeldet, dass ihre Einnahmen durch Werbung sich im letzten Jahr fast verdreifacht haben. Früher musste man mühsam Sponsoren für ein solches Format suchen, mittlerweile kann der Content-Provider den Werber auswählen. Leider gibt es noch wenige Angebote aus Deutschland, aber ich bin mir sicher, das kommt noch.
Zeitung: Meine tägliche Zeitung ist der RSS-Reader auf dem Pad geworden. Entweder rein funktional mit Reeder oder hübsch (sieht sogar aus wie eine Zeitung) mit Early Edition. Ebenso spannend könnte sich die Idee von paper.li entwickeln. Der Dienst stellt aus dem eigenem Twitter-Stream (oder aus Suchbegriffen) eine Tageszeitung zusammen. Dabei werden Links, Bilder und Videos in einem ansprechenden Format aggregiert. Wollen klassische Tageszeitung dagegen bestehen, müssen sie reagieren und das iPad bedienen (und zwar nicht wie der Spiegel, wo die Online Ausgabe teurer ist, als die Print-Version). Das muss gar nicht mal eine eigene App sein, ein sauberes PDF zum Download (ohne gefühlte 3h klicken zu müssen) wäre schon eine gute Lösung. Also liebe HNA, mach was!
Und sonst?
Kurz nach Veröffentlichung fehlen natürlich noch die richtig coolen iPad Programme. Es gibt ein paar Highlights, aber die wenigsten nutzen die volle Funktionalität aus. Die Wired App zeigt sehr schön, wie eine moderne elektronische Zeitung aussehen kann, Guardians Eyewitness ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Eyecatcher. Simpel, aber wunderschön. Jeden Tag ein Foto aus der Guardian Redaktion, eine kurze Beschreibung der Szene und der fotographisch genutzten Mittel. Viel Bild – wenig Text. dafür ist das iPad gemacht. Beim Kochen ist es das ideale Kochbuch ohne Grenzen.
Natürlich ist das iPad irgendwie “nur” der iPod Touch/das iPhone in groß. Aber genau in dieser Größe liegt der Zauber… den man nur schwer vermitteln kann.
Auf meinem prangt natürlich in großen freundlichen Lettern die Worte “DON’T PANIC“, denn irgendwie ist es der Hitchhiker’s Guide to the Galaxy. Das Wissen der Welt in einem kleinem Gerät.

In die gleiche Kerbe:
| Artikel drucken | Dieser Beitrag wurde von Cynx am 30. Juni 2010 um 18:49 veröffentlicht und unter Geeky abgelegt. Du kannst allen Antworten zu diesem Beitrag durch RSS 2.0 folgen. Du kannst eine Antwort schreiben oder einen Trackback von deiner eigenen Seite hinterlassen. |




vor 1 Jahr
Hai
Schöner, subjektiver, Bericht. Du bist der Erste, von dem ich höre, daß die “Tastatur” was taugt.
Alle anderen Bekannten von mir, die so ein Ding haben, finden sie ……. kagge.
vor 1 Jahr
Meiner Meinung nach kann so ein Bericht nur subjektiv sein. An den Fakten kann man nicht viel interpretieren, die Hardware ist ok – der Rest ist eigenes Empfinden.
Die Tastatur ist mit Sicherheit zum einen Geschmackssache, ich komme zum Beispiel so gar nicht mit der Hardware-Tastatur eines Blackberrys klar. Zum anderen muss man aber auch Veränderung zu lassen wollen. Drei Worte tippen und dann sagen “ist kagge” geht meiner Meinung nach nicht. Ich hab mich etwas umgewöhnen müssen, aber dann fluppt es wirklich klasse – für mich.
vor 1 Jahr
Mich reizt das Ding ja auch irgendwie.
Vielleicht um abends in der Koje noch ein bißchen bei youtube zu surfen oder halt tatsächlich als Reader.
Aber 500 Ocken? Das sind beinahe 2 Netbooks.
unschlüssige Grüße
Michael
vor 1 Jahr
Klar, da bekommt man zwei Netbooks für. Ich vergleiche das gerne mit Essen gehen beim Dönermann vs. in einem gutem Restaurant. Beides macht satt und ist lecker, aber der Preis ist deutlich anders. Im Restaurant zahle ich (gerne) für das Erlebnis und den Service. So ähnlich ist es auch mit dem iPad, ich zahle die Apple-Experience (und deren Service: Gerät defekt, wird kommentarlos im Store ausgetauscht). Die Experience ist auch wirklich nicht zu unterschätzen, da man sich Gedanken macht, was wirklich gebraucht wird.