Cynx Cynical World
Warum sollten sie?
Der Komplikateur fragt in den Kommentaren
Die Frage ist nicht, ob Google oder die Verlage das Geld bekommen, sondern wie kommen die Jounalisten (Musiker, Fotografen, Schriftsteller etc.) an das Geld für ihre Arbeit? Die Zeitungen entlassen reihenweise Journalisten – wer von den Internet-Sachverständigen oder von der Räuberpartei hat darauf eine Antwort? Keiner.
Um es ganz klar zu sagen: Da muss auch niemand eine Antwort drauf geben, warum sollte es die Aufgabe der Politik (oder sonst wem) sein, die Kreativität eines Geschäftszweiges zu ersetzen?
Man stelle sich das mal wo anders vor: Die Firma Hummer baut große spritfressende Geländewagen, die will aber nun niemand mehr haben, da es bessere Autos gibt. Die sind leiser, brauchen weniger Sprit und sind besser ausgestattet. Nun sagt Hummer zur Politik: “Macht doch mal bitte die Straßen kaputt, damit unser Geschäftsmodel weiterhin funktioniert. Denn dann können diese kleine Autos auch nicht mehr fahren.”
Klingt doch auch nach nem tollen Plan, oder?
Die Zeitungen haben zwei Jahrzehnte das Internet schlichtweg verpennt und jetzt heulen sie rum. Da wäre Zeit genug gewesen neue und alternative Modelle zu liefern. Mit dem Internet fällt jetzt nur auf, wie sehr die Qualität gesunken ist und der Leser hat direkt die Möglichkeit zu sagen: Ihr schreibt Unsinn. Klar, dass das nicht jedem passt.
Stattdessen gibt es Internetseiten die voller Werbung sind, so dass man schon keine Lust hat sie zu besuchen. Die eher dezente Google-Text-Werbung funktioniert hingegen super und wirft satte Gewinne ab.
“Aber die Werbung klickt doch keiner!”
Ja und? Drücke ich hektisch auf meiner Print-Zeitung (von denen ich einige im Abo habe, inkl. Tageszeitung) rum, wenn ich ne Anzeige sehe? Laufe ich ans Telefon und bestelle? Wohl kaum. Eine gute Werbung nehme ich wahr, eventuell interessiert sie mich und ich informiere mich. Nicht anders läuft Internet-Werbung.
Ganz abgesehen davon, dass ca. 90% der Onlinewerbung fürchterlich schlecht ist, keine Kreativität, sondern nur ein dumpfes “KAUFEN!”.
Gegenvorschläge gab es zu dem eine Menge, der wichtigste ist wohl: Schafft einen Mehrwert, eine Community, sorgt aber zu aller erst für Qualität. Wenn ihr nicht wisst wie das geht, holt euch Hilfe, aber heult nicht rum, dass man Post nicht mehr mit dem Pony-Express befördert.
In die gleiche Kerbe:
| Artikel drucken | Dieser Beitrag wurde von Cynx am 1. Juli 2009 um 12:20 veröffentlicht und unter Denken abgelegt. Du kannst allen Antworten zu diesem Beitrag durch RSS 2.0 folgen. Du kannst eine Antwort schreiben oder einen Trackback von deiner eigenen Seite hinterlassen. |



vor 2 Jahren
Genau das. Mich ärgert es regelrecht, dass die Frage nach alternativen Lösungen immer wieder an die PP gerichtet wird. Das ist schlicht nicht der Job der Politik. Mir missfällt es zwar sehr zu sagen “Das habt ihr selbst verpennt und jetzt guckt wie ihr klar kommt” und die Dummchen damit ihrem Schicksal zu überlassen – deshalb beteiligen wir uns auch nach der Suche nach Alternativen. Aber eine Verpflichtung dazu kann ich beim besten Willen nicht ausmachen.
vor 2 Jahren
Vollständige Zustimmung. Es kann und darf nicht sein, dass überholte Geschäftsmodelle künstlich am Leben erhalten werden sollen. Auf Kosten der Allgemeinheit und zu Gunsten nur weniger, die die Gegenwart verpennt haben.
Postkutschen gibt’s auch nicht mmehr.
Dabei will ich ganz klar herausstellen: Es geht nicht gegen die Urheber, selbstverständlich sollen Werkschaffende von ihrem Werk ggfs. auch leben können. Der Werkschaffende erhält aber von denjenigen, die sich Nutzungsrechte eingeräumt haben meist nur Peanuts und genau das darf nicht so bleiben. Musik- und Wortindustrie betreiben mit Unterstützung beispielsweise einer völlig undurchsichtigen GEMA massive Pfründesicherung. Das kann so nicht weitergehen.
Letztendlich geht es auch um eine Stärkung der Rechte der Kulturschaffenden. Nicht aber um eine Geschäftmodellsicherung der Verwerter.
Eine Lösung und ein Konzept um den Schaffenden und Urhebern entsprechende Rechte einzuräumen zaubert man nicht herbei, aber es muss dringend ein Bewusstsein für diese gundlegenden Überlegungen geschaffen werden. Auch durch provokante Vorschläge wie die der Piratenpartei. Wer behauptet, die Piraten wollen die Urheber enteignen, der hat sich offensichtlich nicht hinreichend informiert.
Ansonsten sage ich ganz klar:
“Man muss nicht die Realität ans Urheberrecht anpassen, sondern das Urheberrecht an die Realität!”
…und das ist lange überfällig!
Grüße,
Stefan Holzhauer
vor 2 Jahren
Sehe ich auch so. Wer ein Produkt vertreibt oder produziert, muss zusehen, dass er es auch absetzen kann, sonst würden wir alle immer noch in Höhlen sitzen und Bisons an die Wände malen.
Vom Einzelhandel wird auch Flexibilität erwartet; nie habe ich gehört, dass von dort verlangt wird, eine Art Zwangsabnahme für einen ehemaligen Modeartikel einzuführen, der nun wie Blei in den Regalen liegt. Aufgabe der Politik ist es allein, durch eine modernere Gesetzgebung den Weg freizumachen für zeitgemäßere Formen der Verwertung – die meisten Systeme von vor 100 Jahren funkionieren einfach nicht mehr richtig bzw. werden der Hauptklientel, nämlich den Schaffenden, nicht mehr gerecht – und auch nicht der Lebenswirklichkeit. Aber es ist nicht ihre Aufgabe, kommerziellen Unternehmen mit überalterten Konzepten zu helfen, diese Zustände zu zementieren, wenn sie nicht mehr funktionieren.
Letztenlich glaube ich nicht, dass es eine Pauschallösung geben kann. Buchverlage funktionieren anders als die gedrucke Tagespresse. Musikverlage stehen wieder vor anderen Problemen, ebenso die Filmindustrie und ihre Verwertungsketten oder Softwarehersteller. Vor allem wird es keine schnelle Einheitslösung geben, aber wichtig ist doch, dass mal irgendwer anfängt, darüber nachzudenken.
Viele Grüße
Jinx