Messe KölnDas Rollenspiel ist tot, lang lebe das Rollenspiel“, dieses Motto wird durch die Erfolgsgeschichte der Role Play Convention bestätigt. Gestartet 2007 in der Halle Münsterland, musste der Veranstalter nach schon zwei Jahren in Kölnmesse umziehen, da die Besucherzahlen stetig nach oben gingen und für dieses Jahr über 20.000 Besucher erwartet wurden. Dabei deckt die RPC die komplette Bandbreite des Genres Rollenspiel ab, vom klassischen Pen&Paper-Rollenspiel, über artverwandte Tabletop, Brett- und Kartenspiele, Larp bis hin zu Computer-Rollenspielen als Single-Player oder MMORPG.
Als langjähriger Besucher Besucher der Spiel in Essen, war ich gespannt was die RPC zu bieten hatte und so brach ich mit meinem Luftschiff am frühen Samstag Morgen gen Köln auf. Dank Æther-Navigator war die Messe Köln schnell gefunden und ein Parkplatz gefunden. Acht Euro Parkgebühr ist zwar happig, aber leider auch ein normaler Messepreis. Dafür waren es nur wenige Meter bis zum Eingang mit dem die Flyer-Hölle losging. Überhaupt Flyer, kommt mir das nur so vor oder hat mit dem Einzug der digitalen Druckmöglichkeit, auch das Aufkommen an Flyern massiv zu genommen? Da wird nicht mehr nur ein Flyer in die Hand gedrückt, sondern gleich eine ganze Tüte voll. Praktisch könnte man sich denken, so hat man gleich ne Tüte für die restlichen Flyer, nur gibt es leider auch mehrere von diesen Flyer-Wundertüten…
BegegnungHalle 1 gab sich dunkel und wurde von den Computer-Spielen beherrscht und das in erster Linie akustisch. Die Beschallung war zum Teil ohrenbetäubend und machte es schwer ein normales Gespräch zu führen oder gar das Klingeln das Handys zu hören, um seine Freunde zu finden. Ich hatte das Gefühl, dass die Computerspieler nur den Ort wo sie sitzen gewechselt hatten: Daheim vor dem PC, auf der Messe vor der Bühne mit der Großbild-Leinwand. Dabei gab es so viel mehr zu sehen und zu entdecken und hoffentlich hat der eine oder andere Zocker den Bildschirm an diesem Wochenende auch mal verlassen, um sich die anderen Facetten des Rollenspiels anzuschauen, denn nur wenige Schritte weiter zeigten die Veranstalter der Mythodea-Reihe, wie Rollenspiel auch aussehen kann und bewarben ihre Cons mit Messepreisen. Etwas versteckt und meiner Meinung nach zu dunkel, der Stand der Mittellande e.V., ein Zusammenschluss von unterschiedlichsten Larpländern mit dem Ziel eine gemeinsame Welt zu bespielen.
RisenVon dort aus ging es über in die nächste Halle, im Zwischenbereich das übliche Messe-Restaurant mit Fastfood und … DJs?! Hinter den Turntables mischten ein paar Jungs etwas verloren Dancefloor-Musik zusammen, die keine Beachtung fand. Waren die von einer vorherigen Veranstaltung über geblieben oder hat man sich gedacht: “Jugendliches Publikum: Da muss nen DJ her?” Man wird es wohl nie erfahren und die DJs werden dort heute immer noch mischen…
Halle 2 widmete sich den Klassikern im Spiel, unzählige Händler, Verlage und Vereine zeigten ihre Neuerscheinungen und luden zu Probespielen ein. Wirklich positiv zu vermerken ist, dass die Veranstalter die Hallen und Abstände zwischen den Stände großzügig gewählt haben. Im Gegensatz zur Spielmesse in Essen gab es praktisch nirgendwo Gedrängel und man fand immer einen freien Tisch für eine Proberunde. Selbst in den Spitzenzeiten am Samstag nachmittag, konnte man noch ein ruhiges Eckchen finden. Echte bahnbrechende Neuerungen habe ich weder bei P&P noch bei Larp entdeckt, aber der Trend “Steampunk” scheint auch im Spielegenre aufgegriffen zu werden. So legt der Uhrwerk-Verlag die alten Space 1889 Veröffentlichungen neu auf und diverse Brettspiele setzen ebenso auf Dampf und Messing. Am Stand von Werkzeugs fand sich das Who-is-Who der deutschen Fantasy-Autoren zur Lesung ein, darunter Christoph Hardebusch, Markus Heitz und als internationales Highlight A. Sapkowski (The Witcher). Leider sind die Lesungen von den Veranstaltern zu wenig (bis gar nicht) beworben worden, aber die Reihen der Hörer waren dennoch gut gefüllt.

Lesung Christoph Hardebusch

Neben den beiden Hallen bietet die RPC eine Außenfläche als kleinen Mittelaltermarkt, auf dem die üblichen Stände zu finden waren, sowie eine Bühne mit mittelalterlichen Bands.
Im Gegensatz zur Spiel in Essen, kennt die RPC ihre Wurzeln und ihr Publikum und bietet den Fans und Spielern mit der “Aktion Fandom” auch nicht kommerziellen Projekten Standfläche, ein Einsatz den man gar nicht genug loben kann.
Fazit: Die RPC ist eine gelungene Veranstaltung, die zeigt, dass Rollenspiel noch lange nicht tot ist. Professionell organisiert, aber im Herzen immer noch eine Fan-Veranstaltung. Da bin ich nächstes Jahr auch gerne wieder dabei.
Weitere Eindrücke findet man bei Chris und auf dem neuen Blog Memesis Virtualis.
Orkschlacht

In die gleiche Kerbe:

  1. Lesungen RPC 2009 Köln
  2. Mittelpunkt 2009