Cynx Cynical World
Eine Subkultur kommt ans Licht
“Ich spüre eine große Erschütterung in der Macht.“, sagt Halla Vilhjálmsdóttir in der Rolle der Beta in Astrópía. In diesem Fall meinte sie zwar nur den Besuch von Hildur – der “normalen” Frau – in einem Comicladen, aber ich glaube, man kann diesen Spruch auch viel weitläufiger ansehen. Die Zeit der Nerds und Geeks in ihrer dunklen Ecke ist vorbei und sie werden immer mehr zu einer anerkannten Subkultur, auf die man nicht herabblickt, sondern mit Faszination und einer gewissen Sympathie beobachtet.
Neben Kinofilmen wie Astrópía, Faintheart und Role Models, stellen auch Fernsehserien wie “Big Bang Theory”, “J-Pod” oder “The IT Crowd” den Nerd als sympatische Hauptrolle da und die Normalos der Welt sind die bösen Langweiler. Ein Konzept, dass noch vor wenigen Jahren undenkbar war, da wurde dieses Klischee nur als lustige Einlage genutzt, der Dorfdepp, der durch die Straße getrieben wird.
Man muss nicht mehr verheimlichen, dass man alle Staffeln Star Trek auf DVD besitzt und weiß wie der Bösewicht aus den Thundercats heißt. Dieses Wissen ist nicht weniger besonders geworden, als zu wissen wer die vorletzte Fußballweltmeisterschaft gewonnen hat.(1) Eine durchspielte Nacht vor dem PC wird von den Kollegen(2) mit der Frage “Was denn?” quittiert und nicht mit Stirnrunzeln.
Es ist cool geworden “Nerd” zu sein, glücklicherweise ohne dabei etwas von dem Reiz zu verlieren. Denn ein Nerd kann man nur aus dem Herzen sein, als Mode, die man mal ausprobiert, eignet er sich nicht. Nerds erkennen einander, da eine gehörige Portion Allgemeinbildung dazugehört und das in ungewöhnlichen Dingen. Täuscher kämen nicht weit. Der abfällige Blick ist sympathischer Bewunderung gewichen, sich so viele unnütze Dinge merken zu können.
Die Macht ist erschüttert, aber nur weil die Dunkle Seite sich ein Stück zurückziehen musste. Die dunkle Seite der normalen Welt ohne Fantasie und Kreativität.
1) (Mumion/Mumm-Ra heißt er bei Thundercats, Weltmeister… keine Ahnung).
2) Obwohl ich in der IT arbeite, bin ich mit Abstand der Jüngste in der Abteilung (und werde bald 40) und der einzige Nerd.
In die gleiche Kerbe:
| Artikel drucken | Dieser Beitrag wurde von Cynx am 24. Februar 2009 um 12:06 veröffentlicht und unter Denken abgelegt. Du kannst allen Antworten zu diesem Beitrag durch RSS 2.0 folgen. Du kannst eine Antwort schreiben oder einen Trackback von deiner eigenen Seite hinterlassen. |




vor 2 Jahren
Der Nerd war doch auch beim “Trio mit 4 Fäusten” (mit dem rosa Hubschrauber) schon der coole – oder zumindest der, der am Schluss immer die Frauen abschleppte.
vor 2 Jahren
noch etwas, an dem das internet schuld ist: die nischen und randgruppen bilden auf einmal einen markt. früher warst du der freak des dorfes, der per mail-order mühsam ein metal-shirt bestellen musste (mit komplizierter fremdwährungs-vorabkasse), heute bist du mit wenigen klicks in einer weltweiten szene.
nerds sind nicht cooler als früher. sie sind nur nicht mehr so alleine.