Fragt man im Freundeskreis nach Physik oder allgemein Naturwissenschaften wird der Faltenbildung im Gesicht direkt Vorschub geleistet. Die meisten sind froh, dieses grausame Kapitel der Schulzeit hinter sich gelassen zu haben. Auf der anderen Seite ist das Fernsehen voller populär-wissenschaftlicher Sendungen, die den Zuschauer mit anschaulichen Experimenten die Welt der Naturwissenschaft näher bringt und sich reger Beliebtheit erfreuen.

Grund für dieses Paradoxon dürften in erster Linie demotivierte Lehrkräfte sein. In meinem Studienjahrgang war es üblich auf Lehramt zu wechseln, wenn man das normale Physikstudium nicht schaffen konnte. Die paar Semester Pädagogik waren schnell gemacht und die Scheine für Physik deutlich einfacher. Kein Wunder, dass bei so einem System keine guten Lehrer entstehen können.

Das Phæno in Wolfsburg will das Staunen über die Natur dem Menschen wieder näherbringen und so besuchte ich letzten Sonntag, begleitet von drei zauberhaften Assistentinnen das Museum. Staunen kann man schon bevor man das Gebäude betritt, denn die Archtiktur ist mehr als außergewöhnlich. Der Guardian zählt es zu dem zehn wichtigsten Gebäuden moderner Architektur. Auf 154 Meter erstreckt sich ein Betonbauwerk, das auf zehn Füßen ruht. Zaha Hadid konzipierte den Bau, der Teil einer eigenen Führung ist (mehr zur Architektur).

Phaeno Gebäude

Mit 12 EUR pro Person betritt man durch einen der Betonfüße (Cones) das Gebäude und soll laut Homepage ca. drei bis vier Stunden für den Besuch einplanen. Nach unserem Besuch von drei Stunden kann ich nur sagen, dass dies utopisch ist. Wir haben vielleicht ein Viertel der Ausstellungen gesehen, geschweige denn ausprobiert. Die Jahreskarte für nur 29 EU lohnt sich also ohne Frage.

Im Inneren wird dem Besucher nach Themen aufgeteilt die Welt der Naturwissenschaft näher gebracht. Dies geschieht nicht mit langweiligen Schautafeln, sondern einer wirklichen Vielzahl von Experimenten zum ausprobieren. Neben jedem Exponat steht eine kleine Anleitung was man zu tun hat und kann direkt ans Ausprobieren gehen. Ein weiterer Text erklärt was passiert und nennt den physikalischen Hintergrund. Das Experimentieren steht ganz klar im Vordergrund. So lernt man etwas über den Bernoulli Effekt, Drehmomente oder Statik. Leider sind wir nicht weiter als durch die Newton’sche Physik gekommen. Viele der Exponate sind deutlich mehr als nur Experimente, sondern Kunst mit physikalischen Mitteln. Begleitet wird die Dauerausstellungen von Sonderveranstaltungen (zur Zeit Lego), Workshops (Küchen-Chemie) oder diversen Shows (Laser, Feuertornado). Das angeschlossene Restaurant baut im Vergleich leider sehr ab und wirkt sehr lieblos, für die kulinarischen Experimente lohnt sich der Besuch in der gegenüberliegenden Autostadt.

Ein Besuch im Phæno kann ich nur empfehlen, auch wenn man mit Naturwissenschaften überhaupt nichts am Hut hat (oder gerade dann!).

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